Direkt zum Inhalt der Webseite springen

Hier finden Sie Gedanken zur Tages- oder Wochenlosung

 

Ausgewählte Andachten finden Sie auch in Papierform in der Christuskirche, die als offene Kirche mittwochs, samstags und sonntags zugänglich ist.

Andacht zum Sonntag, 24. Mai 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

 

Der lateinische Name des Sonntags leitet sich von einem Bittruf aus dem 27. Pssalm ab:   „Herr, höre meine Stimme.“

Dieser Ruf gibt das Thema des Sonntags vor, der von der Bitte um den Heiligen Geist bestimmt ist, den Jesus den Seinen zugesagt hat.

Da schwingt die Sehnsucht nach Erneuerung, nach Neubelebung des Glaubens mit, nach Stärkung der geschwisterlichen Liebe mit.

 

Der Predigttext steht im Buch Jeremia 31,31,-34

Die verheerende Niederlage und Zerstörung Judas und Jerusalems durch das babylonische Heer im sechsten vorchristlichen Jahrhundert hat das jüdische Volk in eine tiefe  Depression gestürzt. Jeremia, der vor dem Untergang als strenger Gerichtsprophet aufgetreten war, verheißt dem Volk aber nun völlig überraschendeine  wunderbare Zukunft und einen radikalen Neuanfang von Gott her.

Gott streicht die Vergangenheit durch. In einem neuen Bund wird er das Volk von innen her verwandeln, dass es den Willen des Herrn bejaht und gerne erfüllt. Das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk wird auf eine neue Stufe gehoben und bringt beide Seiten einander so nahe, wie nie zuvor.

 

Dieser  Sonntag ist ein seltsamer Zwischensonntag.

Jesus ist nicht mehr auf Erde; der versprochene Geist ist noch nicht da. Nicht mehr – noch nicht, das ist die Stimmung heute. Das sind Zeiten der Versprechens. Menschen sind voller Erwartung.

Wer sich jetzt dem Wort Gottes öffnet, der erfährt: es geht nicht um Buchstaben und quälendes Erfüllen von Unverständlichem.

Der Geist Gottes macht das Herz bereit, dass es Gottes Willen tun will Gottes Gesetz im Herzen ist Lust an Gottes Willen, Lust ihm zu danken und anderen Gutes zu tun.

Wenn Zuwendung Freude macht, freut sich Gott. Dann blüht und gedeiht sein Gesetz auch in meinem Herzen.

Das wünsche ich uns allen als Erfahrung.

 

Gebet

 

Du kennst uns besser, Gott, als wir uns selber kennen.

Du weißt, wie gefährdet unser Glaube sst, wie unbeständig unsere Liebe, wie zaghaft unsere Hoffnung.

Wir erinnern uns an Deine Zusage:

„Ich liebe, die mich lieben, und die mich suche, finden mich.

Lass uns an Dir festhalten.

Amen

 

Andacht zu Christihimmelfahrt 21. Mai 2020


Gedanken zum Predigttext  Johannes 17:20-26,

verfasst von Rolf Schuld (Passchuld(at)aol.com)

 Christi Himmelfahrt 2020


Jetzt ist also auch der Himmelfahrtsgottesdienst im Radom in Sundern dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Ohne Corona hätte ich in diesem Jahr vielleicht einen Rückblick gewagt.

Vor 10 Jahren an Himmelfahrt, da war ein Thema der Ausbruch des Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen: Eyjafjallajökull.

Die Folge: Bis Mitte Mai war der Flugverkehr wegen der Aschewolke in Europa stark eingeschränkt und hat uns eine erstaunlich blauen Himmel und Nachts einen ungewohnten klaren Blick in den Sternehimmel beschert.

Jetzt ist es die Corona Pandemie, die den Flugverkehr global lahm legt, und auch den Individualverkehr und die Wirtschaft runterfahren ließ.

So klar wie im Urlaub in den Rhone Alpen auf einem Campingplatz weit ab von größeren Städten ist der Nachthimmel nicht. Aber der Auslandsurlaub fällt wegen Corona in diesem Jahr auch aus.

Das Radioteleskop in Sundern sieht die Sterne auch im dichten Smog. Und die besten optischen Teleskope in Chile oder das Hubbel Teleskop im Weltraum , die holen uns nicht nur Sterne , sondern auch Galaxien, Schwarze Löcher, Rote Riesen und in den letzten Jahren immer häufiger erdähnliche Planeten vom Himmel. Aber nur angucken, nicht anfassen.

 

Wo ist der Stern, um den ein Planet kreist, auf dem man von Luft und Liebe leben kann,

leicht und schwerelos, ohne Anstrengung, ohne dass man sich verzehrt. 

Ohne Machtgier, wo es nicht um besitzen und beherrschen geht, nicht um Überlegenheit, um Sieg und Niederlage.

Die Sterne sind so  unendlich weit entfernt!

Leider. Unerreichbar- eine innere Stimme sagt mir – sei vernünftig- komm wieder auf den Boden zurück.

Träum nicht von Sternen- die sind so weit weg. Halt dich an dem was greifbar für dich ist, was  erreichbar ist.  Du brauchst die Sterne nicht, und sie brauchen dich nicht!

Mag sein!

Aber wenn ich mich aufmachen will in finsterer Nacht. In unbekanntes Terrain, dann sind die Sterne, auch wenn sie so weit weg sind,  Orientierung – ich finde den Nordstern- ich  finde die Richtung- kann mich leiten lassen vom Stern, der so weit entfernt  ist.

Und doch sein Licht leuchtet  mir  hier auf der Erde.

Die Sterne bewegen mich, sie berühren mich.

 

Zum Greifen nah war in Jesus Christus, dass Himmelreich Gottes auf Erden.

So nah, dass man sich von ihm berühren ließ- Dass ein blindes Mädchen seinen Speichel auf den Augen fühlte, dass Frauen sein Haar mit Nardenöl pflegen konnten, dass die Jünger sich von ihm die Füße Waschen ließen, und Judas ihm einen Kuss geben konnte.

So nah  dass man ihm Nägel in die Handgelenke trieben konnte und ihn bespucken und schlagen konnte. Und nach Ostern blieb er 40 Tage so nahe bei den Menschen, so dass auch der Ungläubige Thomas seine Finger in die Wunden legen konnte.


„ Herr, wirst du in dieser Zeit das Reich Gottes aufrichten?" Der Wunsch war geblieben: es möge doch in unserer Gegenwart greifbar spürbar sein, dass sich Gerechtigkeit und Frieden durchsetzen - dass sich die Welt verändert durch die Gegenwart Gottes.
Und nach 40 Tagen  Himmelfahrt - Jesus entschwindet...
Eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg."
Jesus wird in den Himmel aufgenommen. Nein nicht in den Himmel, den Gagarin in einer Rakete durchflog, und in der er keinen Gott finden konnte.

Nicht in  die Stratosphäre noch der Exosphäre, nicht in diese Milchstraße und nicht in die unendlichen Weiten des Alls ist er aufgenommen.  Er ist im Himmel bei Gott.

Ganz bei Gott in seinem Herrschaftsbereich .

Da  geht es um andere Dimension als oben und unten. 

Hier auf Erden ist nicht bei Gott- wir wissen und erleben schmerzhaft wie viel Gottlosigkeit es hier gibt. Die  die Jünger dürfen nicht mit Jesus gehen, sie müssen zurück  - da wo ihnen Kreuz und Leid droht- und der Himmel in dem Jesu ist  unendlich fern erscheint.


Im  Johannesevangelium  im Kap 17 ist ein Gebet überliefert, dass Jesus für diese Zeit nach Himmelfahrt überliefert hat.  Ein Gebet Jesu in dem es auch um uns geht.

20 Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch das Zeugnis meiner Jünger von mir hören werden und an mich glauben.21 Sie alle sollen eins sein, genauso wie du, Vater, mit mir eins bist. So wie du in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns fest miteinander verbunden sein. Dann werden sie die Welt überzeugen, dass du mich gesandt hast. 22 Deshalb habe ich ihnen auch die Herrlichkeit gegeben, die du mir anvertraut hast, damit sie die gleiche enge Gemeinschaft haben wie wir. 23 Sie bleiben in mir und ich in dir: So sind wir vollständig eins. Und die Welt wird erkennen, dass du es bist, der mich gesandt hat, und dass du meine Jünger liebst, wie du mich liebst. 24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, bei mir bleiben. Sie sollen an meiner Herrlichkeit teilhaben. Du hast mir die Herrlichkeit gegeben; denn du hast mich geliebt, längst bevor die Welt geschaffen wurde. 25 Gerechter Vater! Wenn die Welt dich auch nicht kennt, ich kenne dich, und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist.

Das werde ich auch weiter tun, damit deine Liebe zu mir auch sie erfüllt, ja damit ich selbst in ihnen lebe.»

 

Ich tue mich immer schwer mit der Sprache des Johannesevangeliums.

Aber  diesmal ist mir die Botschaft klar.

Jesu geht zu seinem Vater. Er  ist aus dieser gottlosen Welt weggenommen.

Aber wie Sterne , die Lichtjahre entfernt sind und uns trotzdem Orientierung geben,

berührt uns Jesus. Mit der Liebe, die er von Gott erfahren hat, und den Menschen weitergegeben hat. Einer Liebe, die zur Vergebung und zum Frieden ruft.

Einer Liebe die aus die Chance zur Umkehr gibt.

Jesus verkündet der Welt nicht den Untergang.

Kein es ist zu spät – sondern es ist höchste Zeit, den Weg der Liebe zu finden.

Aus Liebe , nicht aus Angst,

aus Liebe, nicht aus Pflichtgefühl sollten wir die Umkehr wagen.

Liebe zu unseren Mitmenschen – und zu den nachfolgenden Generationen.

Liebe zur Gott unserem Vater, unserem Schöpfer und zur Schöpfung.

Und auch Liebe zu uns selbst.

Damit wir endlich aufhören, uns selbst zu zerstören und die Lebensmöglichkeiten  dieser Welt in der wir leben.

„Cheops“ heißt ein Satellit, der gezielt im Weltraum Exoplaneten sucht.

Vielleicht gibt es ja tatsächlich  auf einigen dieser Planeten Leben und Lebensmöglichkeiten.

Aber für uns ist er viel zu weit entfernt.

Zu fern um unsere Haut zu retten und um unseren Kindern Zukunft zu geben.

Wir brachen keinen Fluchtpunkt. Sondern Orientierungspunkte und Haltepunkte.

Die Liebe Gottes gibt uns Orientierung und Halt.

Die Liebe Gottes, die uns in Jesus begegnet und die sich  auswirkt in Frieden, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung.

Auch in Coronazeiten, wenn Nächstenliebe sich in Einhalten von Abstand zeigen muss.

 

 

Gebet :  (Rose Ausländer: Hinter allen Worten. Gedichte. Rose Ausländer – Werke, Band 10.

Herausgegeben von Helmut Braun. 5. Auflage. Frankfurt am Main 2002, S. 103)

mit eigenen Veränderungen

 

HIMMLISCHE ZUSTÄNDIGKEIT

Ach Gott, Du gehst uns nicht verloren in den Weiten des Himmels!

Du bist und bleibst gegenwärtig – auf Erden, in unserer Mitte!

Du bist und bleibst zuständig – uns und allen Menschen zugute.

Erinnere uns an unsere Zuständigkeit für den Nächsten und den Fernsten …

Lass uns Dir dabei helfen, am Reich der Himmel weiterzubauen –

Ermutige uns, denen in Angst, Not und Trauer ein Stück Himmel zu schenken:

indem wir füreinander Sorge tragen, indem wir einander Trost schenken, indem wir miteinander das Leben üben…

Lass uns den blauen Himmel Fingerzeig Deiner Liebe sein,

die grenzenlos ist – raum- und zeitlos.

 

Als Lied

1. Die Erde ist des Herrn.

Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.

Drum sei zum Dienst bereit,

gestundet ist die Zeit, die uns gegeben.

2. Gebrauche deine Kraft.

Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen.

Vertraue auf den Geist,

der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

3. Geh auf den andern zu.

Zum Ich gehört ein Du, um Wir zu sagen.

Leg deine Rüstung ab.

Weil Gott uns Frieden gab, kannst du ihn wagen.

4. Verlier nicht die Geduld.

Inmitten aller Schuld ist Gott am Werke.

Denn der in Jesus Christ

ein Mensch geworden ist, bleibt unsre Stärke.

Text: Jochen Rieß 1985

Melodie: Matthias Nagel 1985

Andacht zum 13. Mai 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung vom 13.5.2020

Rolf Schuld, passchuld@aol.com

 

Losung :Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.  1. Könige 8,39

Lehrtext:

Unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns einen ewigen Trost gegeben hat und eine gute Hoffnung durch Gnade, der tröste eure Herzen und stärke euch in allem guten Werk und Wort. 2. Thessalonicher 2,16-17

 

Zufälle gibt es! Ich meine, es ist manchmal schon erstaunlich was einem so zufällt, wenn man die Tageslosung liest. Am Samstag habe ich noch Gedanken zum Predigttext für den Sontag Kantate weitergegeben. Aus dem Tempelweihegebet König Salomos aus dem 2.Buch Chronik.

Und heute ein Losungsvers aus der Parallele 1.Könige 8.

 

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“


Der Kardiologe Dr.D. kennt die Herzen seiner Patienten. Er benutzt für seine Diagnose ein Ultraschallgerät. Und manchmal ist es notwendig im Kathederlabor das Herz über eine Sonde von innen zu untersuchen.

Der Kardiologe Dr.D. weiß, dass Stress, erlebtes Unglück, aber vor allem eine ungesunde Lebensweise (Übergewicht, Rauchen, mangelnde Bewegung) das Herz schädigen kann. Manchmal auch ein Infekt, der zu einer Herzmuskelentzündung. Es gibt auch angeborene Herzfehler.

Der Kardiologe Dr.D. versucht die Ursachen für eine Herzkrankheit zu finden und manchmal wirkt das, als ob er die Schuldfrage klären will.

 

Lieber Gott, du kennst das Herz aller Menschkinder. Die hebräische Bibel meint hier mehr als das Organ im medizinischen Sinn

So bedeutet etwa das Wort לֶב, leḇ "Herz" sowohl das Organ, als auch die Brust im Ganzen, dazu auch die Emotion (vgl. "Herzklopfen"), Wunsch und Wille ("sich ein Herz fassen") und das Denken (etwas "beherzigen") Zitiert nach: https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-at/menschenbild-des-at/

 

Und was sich in den verborgensten Winkeln des Fühlens , Denkens und Wünschen und Begehrens von Gott erkannt wird, das ist nicht nur  zum Wohlgefallen unseres Vaters im Himmel. ( Bei Jesus war das Herz wohl rein, denn bei der Taufe hört er die Stimme: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“)

Wenn einem Menschen nun ein Unglück trifft, dann ist niemals ganz unverdient. Im Tempelweihgebet Salomos wird deshalb um Gnade gebeten. Und die Opferpraxis diente ja auch dazu den Zorn Gottes zu stillen.

Deshalb der Zusammenhang der Losung mit Versen 37 und 38 davor:

1.Könige 8, 37 Wenn eine Hungersnot oder Pest oder Dürre oder Getreidebrand oder Heuschrecken oder Raupen im Lande sein werden oder sein Feind im Lande seine Städte belagert oder irgendeine Plage oder Krankheit da ist

38 wer dann bittet und fleht, es seien Einzelne oder dein ganzes Volk Israel, die da ihre Plage spüren, jeder in seinem Herzen, und breiten ihre Hände aus zu diesem Hause, 39 so wollest du hören im Himmel, an dem Ort, wo du wohnst, und gnädig sein und schaffen, dass du jedem gibst, wie er gewandelt ist, wie du sein Herz erkennst – denn du allein kennst das Herz aller Menschenkinder –,

 

Jesus, das Menschenkind nach dem Wohlgefallen Gottes.

Das Unschuldslamm zur Schlachtbank geführt weckt Hoffnung auf die Gnade Gottes.  

Als Lied: EG 389 Ein reines Herz, Herr, schaff in mir

 

1. Ein reines Herz, Herr, schaff in mir, schließ zu der Sünde Tor und Tür; vertreibe sie und lass nicht zu, dass sie in meinem Herzen ruh.

 

2. Dir öffn ich, Jesu, meine Tür, ach komm und wohne du bei mir;

treib all Unreinigkeit hinaus aus deinem Tempel, deinem Haus.

 

4. und mache dann mein Herz zugleich an Himmelsgut und Segen reich; gib Weisheit, Stärke, Rat, Verstand aus deiner milden Gnadenhand.

 

Text: Heinrich Georg Neuss 1703

Melodie: O Jesu Christe, wahres Licht (Nr. 72)

 

Andacht zum 11. Mai 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung vom 11.5.2020

Rolf Schuld, passchuld@aol.com

Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben’s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters. Psalm 44,2

 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

Lukas 10,39

 

Wer nicht hören kann, muss fühlen.

 Ein Satz den ich in meiner Kindheit oft hören musste. Von der Mutter. Von der strengen Grundschullehrerin mit Namen Eleonore Rosenblatt. Ein Name der sich eingebrannt hat wie die Erinnerung an die schmerzenden Schläge mit dem Rohrstock. Abgesehen von der schwarzen Pädagogik der 50er und noch 60er Jahre des letzten Jahrhunderts; mit dem Hören ist das eine schwierige Sache.

Vieles Gehörtes geht zu einem Ohr hinein und zum andere heraus, ohne das Bewusstsein zu erreichen und wird so zum Uner(ge)hörten. Die selektive Wahrnehmung , die nur hören lässt, was jemand hören will. Das bewusste Weghören, weil man damit nicht zu tun haben will. Nicht nur im Konfirmandenunterricht, sondern auch in Gottesdiensten frage ich mich immer wieder, wie ich mir Gehör verschaffen kann, als Mann der Worte.

Humorvoll sein? Einfache Sprache, nicht so abstrakt.

Gute Beispiele finden und nicht zu allgemein sprechen?

Ehrlich, authentisch nicht gekünstelt, nicht pastoral.

Nicht von oben herab –trotz Kanzel. U.s.w.

Die Losung: Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, unsre Väter haben’s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, vor alters.

 

Mein Vater hat geschwiegen. Vom Krieg, von seiner Zeit als Sanitäter

bei der Marine. Ich weiß nicht, was er gefühlt hat als er in Gefangenschaft kam. Und auch nicht was er gefühlt hat, als er frei kam. 

Als Pastor hatte ich dann die Gelegenheit vielen Menschen aus der

 Kriegsgeneration zu begegnen. Manche haben über ihre Erlebnisse sprechen könnten, die Mehrheit nicht. Die Väter in Psalm 44 bekennen, dass es nicht an ihrer Kriegskunst lag, dass sie überlebt haben, sondern dass sie von Gott bewahrt wurden. Sogar die überlegenen siegreichen Feinde siegten nicht weil sie „Übermenschen“ und unbesiegbare Kriegshelden waren, sondern weil Gott sie bewahrt hat.

Gott sei Dank, dass vor 75 Jahren die alliierten Streitmächte Nazideutschland bezwungen und zur Kapitulation gezwungen haben.

Mir fällt das leicht, so zu denken.

Ich war nicht dabei, vor 75 Jahren. Ich habe nicht Hab und Gut verloren. Musste nicht fliehen vor den Russen. Keiner meiner nahenstehenden Angehörigen, ist im Krieg gefallen.       

 

Aber eins ist mir klar. Die arische Herrenrasse ist nicht das erwählte Gottesvolk, dem JAHWE die Weltherrschaft anvertrauen wollte.

Wer hören kann, muss es auch fühlen:

Machtgier und Herrschaftsansprüche haben zu allen Zeiten unsägliches Leid über die Menschheit gebracht. Das macht traurig und manchmal auch wütend.

 

Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu.

Lukas 10,39

Eine Rede die vom kommenden Gottesreich handelte, in dem Gottes Liebe und Barmherzigkeit zum Motor der zwischenmenschlichen Beziehungen wird.

Als Lied dazu:            EG 277          

Kehrvers:        Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

                        und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

1          Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge,

            und dein Gericht ist tief wie das Meer.

            Menschen und Tieren willst du, Herr, ein Helfer sein.

 

            3.         Täglich umgeben mich Worte und Stimmen,

                        aber ich höre gar nicht mehr hin;

                        denn deine Stimme höre ich nicht mehr heraus.

 

                        4.         Wenn ich nichts hören kann, hilf mir dich rufen;

                                   hilf mir dich hören, wenn du mich rufst;

                                   hilf mir gehorchen, wenn du mich berufen willst.

 

Sonntag, 10. Mai 2020 Kantate

Gedanken und Anstöße zum

Predigttext vom 10.5.2020 Kantate

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)           

2.Chronik 5

1 Also wurde alle Arbeit vollbracht, die Salomo am Hause des HERRN tat. Und Salomo brachte hinein alles, was sein Vater David geheiligt hatte, und legte das Silber und Gold und alle Geräte in den Schatz im Hause Gottes.

Einweihung des Tempels  (vgl. 1.Kön 8,1-11)

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird.

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf

5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf,  Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke,

14 so dass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Die Tempelweihe wird auch im 1. Buch Könige Kapitel 8 erzählt.

Da steht wie in einem guten Evangelischen Gottesdienst die Predigt zur Einweihung des weisen Königs Salomo im Vordergrund. Dieser Text gehört eigentlich zum Sonntag Christi Himmelfahrt. Nur das Saitenspiel der Leviten , das Singen von Davidspsalmen und von Trompeten ohne genaue Angabe zur Größe des Bläserkreises wird am Ende nach Predigt , Gebet und Opfer Salomos, quasi unter ferner liefen berichtet.

Die Parallele 2.Chronik 5 gibt der festlichen Musik einen besonderen Raum. Deshalb in der Perikopenordnung auf den Sonntag Kantate gelegt.

Vor meinem inneren Auge erscheinen Bilder aus der Kathedrale in Santiago de Compostella. Bilder von Mönchen die das gigantische Weihrauchfass durch die Kirche „schaukeln“ wie die Kirche in Rauchwolken verhüllt ist. Und ich höre gregorianische Gesänge. 

 

Ich erinnere mich an meine Gefühle als am 19.Januar 2014 die Christuskirche nach der langen Innenrenovierung eingeweiht wurde.

Von  Orgel , Kirchenchor, Posaunenchor kirchenmusikalische ausgestaltet.

Der Kirchenchor sang unter anderem Bruckners

Locus iste a Deo factus est,
inaestimabile sacramentum,
irreprehensibilis est.

Dieser Ort ist von Gott geschaffen,
ein unschätzbares Geheimnis,
kein Fehl ist an ihm.

 

Und nun planen wir Hygienekonzepte für Kirchen.

Wir werden wohl ab Pfingsten Andachten feiern, in denen das Singen untersagt ist. Kirchen oder Posaunenchöre nicht spielen dürfen.

Gottesdienstbesucher mit Mund und Atemschutz und Sicherheitsabstand.

Diem Orgel darf spielen. Ein Stück Feierlichkeit bleibt also.

Und der Raum auch und die Sprache. Und das Wort Gottes.

Und hoffentlich offen Ohren dafür.

Martin Luther soll gesagt haben: „Zur Not kann man auch in einem Schweinestall Gottesdienst feiern.“ Ich habe beim allwissenden Google gesucht, wo das Zitat bei Luther steht. Und bin auf einen Vortrag gestoßen. Titel: Die Sprache des Kirchenraumes

Ein Vortrag von Professor Dr. Klaus Raschzok (Augustana-Hochschule Neuendettelsau) beim Treffen der Kirchbauvereine der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland am 29.5.2010 im Augustinerkloster Gotha und am 19.6.2010 in der Theologischen Fakultät Halle (Saale)

Der Vortrag beginnt so:

 Evangelische Kirchenbauten können nicht allein von ihrer binnengemeindlichen Funktionalität her lediglich als „Gehäuse“ der in ihnen gefeierten Gottesdienste verstanden, sondern müssen darüber hinaus auch mit ihrer besonderen Stellung im Spannungsfeld von Gesellschaft und christlicher Religiosität wahrgenommen werden. Über ihre religionsimmanente Funktion hinaus kommt ihnen als Zeichen des

Unverfügbaren in einer zweckrational bestimmten Gesellschaft hohe

symbolische Bedeutung zu, da sie über ihre binnengemeindliche Relevanz hinaus für die Interaktion zwischen Individuen, christlicher Religiosität und Gesellschaft eine entscheidende Rolle spielen.“

Binnengemeindliche Funktionalität

Religionsimmanente Funktion

Binnengemeindliche Relevanz

Das sind nicht Begriffe die mir zuerst einfallen, wenn ich an unsere Kirche oder andere Kirchengebäude denke. Die Gemeinde in Linden lebte auch weiter als die Kirche 1945 abgebrannt war und erst 1953 wieder aufgebaut wurde. Gottesdienste wurden im Gemeindehaus gefeiert.

Taufen und Trauungen oft als Haustaufen- und Trauungen.

Als am 11.4.1945 die Christuskirche hier ausbrannte sagte Pfarrer Bäumer:„Wenn die Tore der Kirche sich hinter uns schlossen, so waren wir im Heiligtum. Die Welt mit ihren bösen Lüsten, ihren grimmigen  Sünden versank hinter uns. Wir waren herausgerissen, wie aus einem Sumpf. Wir spürten die Nähe Gottes hier wie sonst nirgends.“

 

Oder ist die Kirche nur Gehäuse für die Feier des Gottesdienstes: Die Musik, der Gesang nur schmückendes Beiwerk, wie die Blumen auf dem Altar. . Das Abendmahl nicht notwendig. Nähe , Berührung, Gemeinschaft

Verzichtbar. Gelobt wird die Kreativität mancher Gemeinde, digitale Gottesdienstformen zu entwickeln. Technisch kein Problem: Der Pfarrer wählt sich eine berühmte Kirche als virtuellen Hintergrund: ( Ich würde die  Kathedrale von Narbonne im Südwesten Frankreichs wählen.1)

Orgelmusik vom Altenberger Dom. Als Chor die Regensburger Domspatzen. Ich als Prediger werde in diese perfekte Inszenierung projiziert.  

Wäre Kirche nur Gehäuse, dann wäre der Unterschied zu einer digitalen Rahmung eines Streamingottesdienstes nicht so groß.

Kirche (Ekklesia) als Glaubensgemeinschaft braucht Kirche (Gebäude) als Behausung. Gott braucht keine Kirche : Ihm reicht Feuerschein und Wolke, eine Krippe in einem Stall, ein Berg um von ihm zu predigen, einen Marktplatz ob in Athen , oder in Linden, auch ein Choral von Paul Gerhard, oder ein Orgelwerk von Johann Sebastian Bach. Und in Worten die Sinn stiften und heilsam sind lebt der lebendige Gott. 

 

 Der Weise König Salomo hat es in seinem Tempelweihgebet gesagt:

Als am 11.4.1945 die Christuskirche hier ausbrannte sagte Pfarrer Bäumer

2.Chronik6,8   Aber sollte Gott wirklich bei den Menschen auf Erden wohnen? Siehe der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen; wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?

 

Als Lied zum Sonntag Kantate EG 409 Gott liebt diese Welt

 

1. Gott liebt diese Welt und wir sind sein Eigen.

Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt!

 

2. Gott liebt diese Welt. Er rief sie ins Leben.

Gott ist’s, der erhält, was er selbst gegeben. Gott gehört die Welt!

 

3. Gott liebt diese Welt. Feuerschein und Wolke

und das heilge Zelt sagen seinem Volke: Gott ist in der Welt!

 

4. Gott liebt diese Welt. Ihre Dunkelheiten

hat er selbst erhellt: Im Zenit der Zeiten kam sein Sohn zur Welt!

 

1 https://www.france-voyage.com/frankreich-stadte/narbonne-811/kathedrale-saint-just-saint-pasteur-14630.htm

Andacht zum 7. Mai 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 7.5.2020

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)           

 

Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte. Nehemia 9,17


Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen. 2.Timotheus 2,13

 

Morgen am 8.Mai ist es 75 Jahre her, dass Deutschland im 2.Weltkrieg kapitulierte. Tag der bedingungslosen Kapitulation? Tag der Befreiung von der Nazidiktatur? Tag der absoluten Niederlage (Gauland)?

 

Als ich vor 30 Jahren als Pastor im Hilfsdienst nach Weitmar-Mark kam lernte ich den kath. Pfarrer Jägersberg kennen und schätzen. Ein wenig unheimlich war mir allerdings, dass jährlich am  Sonntag Trinitatis, hinter der Heimkehrer- Dankes-Kirche – Open-Air ein Heimkehrer- Danktag mit ökumenischem Gottesdienst gefeiert wurde.  Mein Vorurteil war:

Da versammeln sich die Unverbesserlichen, die immer noch dem „Großdeutschen Reich“ nachtrauern. Der Hintergrund:

„Mehr als 12 Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten waren in Kriegsgefangenschaft. Sie haben in über 9.000 Lagern gelebt beziehungsweise „gehaust“. Viele arbeiteten unter härtesten Bedingungen. Die das überlebt haben und zurückgekehrt sind, haben davon auf vielfältige Weise berichtet. Sie haben eine Stätte geschaffen, die Heimkehrer-Dankes-Kirche in Bochum, die Ausdruck ihrer Dankbarkeit vor Gott über ihre glückliche Heimkehr ist.“ (Zitat aus der Homepage

www.museum.de/museen/heimkehrer-dankes-kirche-bochum)  

 

In den Anfängen kamen mehrere Tausend Heimkehrer in Weitmar-Mark zusammen. Als ich 1992 als ev. Liturg an dem Gottesdienst mitwirkte waren es nur noch wenige hundert.

Aber die Stimmung war sehr eindrücklich. Dank ja, aber auch Buße, Einsicht in die eigenen Irrtümer und Missetaten.

Ich erinnere mich, dass „Lobe den Herren“ gesungen wurde.

Aber wie gesagt. Es war kein „Lobpreisgottesdienst“ Das Kyrie – das „Herr erbarme“ dich stand gleichwertig daneben.

 

Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte. Nehemia 9,17

 

Die Losung ein Lobpreis Gottes. Aber ein Lobpreis der sich in einem Geschichtsrückblick mit Bekenntnis der eigenen Schuld findet.

 

So liest sich der Lobpreis anders, wenn man Vers 16 und 17  davor mitliest.

16 Aber unsere Väter wurden stolz und halsstarrig, sodass sie deinen Geboten nicht gehorchten,

17 und weigerten sich zu hören und gedachten auch nicht an deine Wunder, die du an ihnen tatest, sondern sie wurden halsstarrig und nahmen sich fest vor, zu ihrer Knechtschaft in Ägypten zurückzukehren.

 

Ich bin dafür, dass der 8.Mai ein Feiertag wird. Vielleicht sollte man den Buß-und Bettag aus dem November an diesen Tag verlegen. Gegenstimmen werden sagen: Buße im Wonnemonat Mai, das passt nicht.  

Und dann haben wir ja schon den 1.Mai Feiertag. Dann will halb Deutschland Anfang Mai die Brückentage nutzen und in Urlaub fahren.

Christi Himmelfahrt ist ja auch schon zu m Vatertagsbesäufnistag verkommen.

Geschichtsrückblick und Bekenntnis der eigenen Schuld braucht nicht nur einen Feiertag, sondern Raum in Schulbüchern, in Print und digitalen Medien. In Gottesdiensten, Andachten.

 

Ob in 10 Jahren gefragt wird, weshalb die Corona-Krise weltweit 100e Millionen Menschen in Armut gestürzt hat, aber an den  Börsen weltweit Gewinne gemacht werden?

Das 9.Kapitel bei Nehemia schließt so:

34 Und unsere Könige, Fürsten, Priester und Väter haben nicht nach deinem Gesetz getan und nicht Acht gehabt auf deine Gebote und Ordnungen, die du ihnen hast bezeugen lassen.

35 Und sie haben dir nicht gedient zur Zeit ihrer Macht bei all deiner großen Güte, die du ihnen erwiesen hast, in dem weiten und fetten Lande, das du ihnen gegeben hast, und haben sich von ihrem bösen Tun nicht bekehrt.

36 Siehe, wir sind heute Knechte; und in dem Lande, das du unsern Vätern gegeben hast, seine Früchte und Güter zu genießen, siehe, in ihm sind wir Knechte.

37 Und all sein Ertrag bringt den Königen großen Gewinn, die du über uns gesetzt hast um unserer Sünden willen; und sie herrschen über unsere Leiber und unser Vieh nach ihrem Willen, und wir sind in großer Not. 

 

 

Der Lehrtext:

Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen. 2.Timotheus 2,13

 

Als Lied dazu: EG 244

Text Ambrosius Blarer 1561

Melodie: Der Tag bricht an und zeiget sich .

 

1.Wach auf, wach auf, ’s ist hohe Zeit,

Christ, sei mit deiner Hilf nicht weit!

Das wütend ungestüme Meer

läuft an mit Macht und drängt uns sehr.

 

            6.. Haben das Widerspiel verschuld’t,

            zum Zorn gereizt oft dein Geduld,

            dein treue Warnung auch veracht’,

            all Zucht und Ehrbarkeit verlacht.

 

7. Und ist vielleicht das Maß jetzt voll,

dass unsre Sünde haben soll

verdiente Straf, so g’schieht uns recht

als einem ungetreuen Knecht.

 

            8. Jedoch, dieweil dein Wort ist gut,

            so wehr all derer Übermut,

            die uns dabei nicht lassen stehn

            und es vertrieben möchten sehn.

 

 

 

Andacht zum 6. Mai 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 6.5.2020

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)           

 

Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene.  Jesaja 42,16

Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, auf dass es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.  Lukas 1,78-79

 

Die Spielplätze sollen ja heute wieder öffnen. Aber der Abstand von

1,50 m soll gehalten werden. Also Fangenspielen oder Blinde Kuh ist noch nicht wieder gestattet. Weshalb eigentlich Blinde Kuh? Wer das weiß, ich würde es gerne erfahren. Als Kind war ich nie gerne die Blinde Kuh. Man wusste ja nie welche Späße die Kinder um einen herum machten. Und lustig fand ich es auch nicht wenn man ins Leere griff, und alle lachten vor Schadenfreude. Später dann entdeckte ich in der Jugendarbeit und für den Kindergottesdienst Vertrauensspiele. Einem Kind wurden die Augen verbunden. Ein anderes steuerte es mit Kommandos. Links! Nicht so weit! Vorwärts. Langsam . Vorsicht! Eine Stufe! Und manchmal war da jemand dabei, der das Kind mit den verbunden Augen absichtlich gegen ein Hindernis stoßen ließ, oder gar eine Treppenstufe herunter stolpern. Vertrauen verspielt. Das Kind nimmt sich das Tuch ab und wirft dem anderen einen bösen Blick zu. Jetzt bist du dran. Na warte!

 

So liest sich der ganze Vers 16 mit der Tageslosung:

Aber die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen. Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Das alles will ich tun und nicht davon lassen.

In dieser Zeit muss ich Wege gehen , die ich nicht kenne.

Blind und unsicher, durch Corona-Schutz-Verordnungen, Hygienekonzepte für Taufen und Gottesdienste entwickeln. Eine Alternative suchen, für den Himmelfahrtsgottesdienst im Radom. Trauerfeiern in ungewohntem Rahmen. Die Ohnmacht von Angehörigen ertragen, die ihre sterbenden Eltern nicht im Pflegeheim oder Krankenhaus besuchen durften.

Besuche sollen bald wieder erlaubt sein. Licht am Ende des Tunnels.

Gottesdienste oder Andachten können bald unter strengen Auflagen wieder stattfinde. Schulen und KiTa öffnen langsam wieder. Museen und Tierparks auch. Bald wieder die Gastronomie. Licht am Ende des Tunnels.

 

Ein Blick über die eigenen Kirchtürme. USA, Großbritannien, Türkei.

Usw. Da sitzen Menschen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Und die Frage, wie brüchig ist der Frieden in der Welt. Herzlich und barmherzig werden von Finanzministern Schutzschirme in Milliardenhöhe aufgespannt, aber mit Milliarden wird auch aufgerüstet.

 

Der Lehrtext steht im Loblied des Zacharias, dessen Sohn Johannes geboren ist. Bußprediger und Täufer. Vorläufer Jesu. Der Friedenstifter.

Der die Taufe vererbt. Und die Füße seiner Nachfolger auf den Weg des Friedens richten will.

 Als Lied dazu EG 650

1. Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl,

das macht die Seele still und friedevoll.

Ist’s doch umsonst, dass ich mich sorgend müh,

dass ängstlich schlägt mein Herz, sei’s spät, sei’s früh.

2. Du weißt den Weg ja doch, du weißt die Zeit,

dein Plan ist fertig schon und liegt bereit.

Ich preise dich für deiner Liebe Macht,

ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht.

3. Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht,

und du gebietest ihm, kommst nie zu spät.

Drum wart ich still, dein Wort ist ohne Trug,

du weißt den Weg für mich, das ist genug.

            Text: Hedwig von Redern 1901

                                   Melodie: John Bacchus Dykes 1868 

Gedanken zur ausgefallenen Konfirmation


Ihr Lieben!

Morgen wäre euer Tag gewesen.

Heute würden die Vorbereitungen zu Hause laufen. Und bei euch würde langsam die Nervosität steigen. Natürlich auch die Vorfreude, auf die Gäste, die Feier, das gute Essen, die Geschenke!

Ach ja, und am Montag hätte es dann sogar Schulfrei für alle KonfirmandInnen gegeben.

Alles ist anders gekommen. Der Corona Virus hat unser Leben ausgebremst. 

Keine Schule, keine Gottesdienste. Kein Sport. Keine Bundesliga. Keine Konzerte. Keine Partys. Und mit Mundschutz shoppen gehen ist auch nicht richtig spaßig.

Wenn schon keine Geschenke zur Konfirmation, hätte ich heute gerne schon gesagt, wann wir die Konfirmation evtl. nachholen   können. Aber selbst das steht noch in den Sternen. Mit den Hygienevorschriften, die uns im Mai wieder ermöglichen Gottesdienste zu feiern, können wir maximal 50 Personen in die Kirche lassen.  

Der Sonntag morgen hat den Namen Jubilate. Freuet euch. Ich hätte gerne mit euch und in einer vollen Kirche, mit Posaunenchor und Orgel einen fröhlichen und feierlichen Gottesdienst gefeiert.

Und der Predigttext steht im Johannesevangelium im 15.Kapitel.

Jesus spricht:

1 «Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner,1

2 der alle unfruchtbaren Triebe abschneidet. Aber die fruchttragenden Reben beschneidet er sorgfältig, damit sie noch mehr Frucht bringen.

3 Ihr gehört schon zu diesen guten Reben, weil ihr mein Wort angenommen habt.2

4 Bleibt fest mit mir verbunden, dann wird mein Leben in euch sein! Denn so wie eine Rebe nur dann Früchte tragen kann, wenn sie am Weinstock ist, so werdet auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir verbunden bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer bei mir bleibt, in dem bleibt mein Leben, und er wird viel Frucht tragen. Wer sich aber von mir trennt, kann nichts ausrichten.

6 Wer ohne mich leben will, wird wie ein unfruchtbarer Trieb///

8 Gott wird dadurch verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und ihr euch so als meine wirklichen Jünger erweist.

 

Meine Anrede wäre auch, wie im Unterricht: „Ihr Lieben“ gewesen.

Und nicht ihr Nervensägen, oder ihr Chaoshaufen. „Ihr Lieben“ nicht weil ihr immer Liebe und brav seid, sondern weil ihr liebenswert seid, so wie ihr seid. Ihr sollt zur „ Gemeinschaft der Heiligen“ gehören wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Ihr seid getauft (das war eine der spannendsten Stunden zum Thema Taufe) und ihr werdet konfirmiert. Und ihr dürft euch weiter entwickeln – erwachsen werden und Kind Gottes bleiben. In unserem Garten steht ein Weinstock.

Der bringt Früchte. Die sind so sauer, dass ich sie nicht mag. Die Drosseln im Garten dafür um so lieber. Ich bin sicher, dass jeder und jede von euch das Potential hat Früchte hervorzubringen die für andere gut sind. Unhöflich, nicht die Hände schütteln, Abstand halten, zu Hause bleiben – wer hätte gedacht , dass das alles mal Zeichen von Nächstenliebe sein werden. Aber bringt jede Zeit, für jede Generation andere Aufgaben und Herausforderungen. Die jetzige werden wir gemeinsam bestehen.

Und dann freue ich mich schon auf eure Konfirmation.

Gottes Segen und bleibt mit euren Familien gesund.

Euer Pastor Rolf Schuld  

 

Andacht zum 30. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 30.4.2020

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)           

 

Losung:

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

Psalm 73,1

Ihr Lieben, wenn uns unser Herz nicht verdammt, so reden wir freimütig zu Gott, und was wir bitten, empfangen wir von ihm; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm wohlgefällig ist.

1. Johannes 3,21-22

 

Ich vermisse sie inzwischen, den Konfirmandenunterricht an Dienstagen.

Und das, obwohl in manchen Stunden sich die Konfirmandengruppe als eine Chaosgruppe darstellt.

Wenn sich einige nicht von ihren Smartphonspielen lösen konnten, oder Jungs sich gegenseitig die Schuhe stahlen, um sie aus dem Fenster zu werfen. Ein Benehmen manchmal wie im Kindergarten.  

Zur Begrüßung habe ich allerdings nie gesagt: „Guten Tag ihr Chaoshaufen.“, sondern eigentlich immer: „Ihr Lieben.“

 

Ihr Lieben, auch wenn sie sich nicht immer wohlgefällig verhalten.

Ihr Lieben , weil sie liebenswert sind. Weil sie das Recht haben sich zu Erwachsenen zu entwickeln, die dann rechtschaffen sind.

 

Ja es gibt sie auch, die lieben Kinder, die freimütig beten können: Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein. Und Jugendliche und Erwachsene, die Gottes Gebote halten auch.

In der Bergpredigt sagt Jesus:

Mat.5, 8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Oder etwa :

Zu Bedauern sind die ein reines Herz haben, man wird sie ausnutzen.

Psalm 73 ,1 Gott ist Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

So beginnt einen Psalm der überschrieben ist:

 

Anfechtung und Trost beim Glück des Gottlosen

 

Im Jahr des Herrn 2020 n.Chr. lese ich folgende Verse, die im Eingang jedes Regierungssitzes, jedes Parlament und Königshauses, jeder Hauptverwaltung großer Konzerne stehen sollten:

Als Mahnung und manchmal auch als Anklage:

 

3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, als ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging.  4 Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. 5 Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute

und werden nicht wie andere Menschen geplagt. 6 Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel. 7 Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst,

sie tun, was ihnen einfällt. 8 Sie achten alles für nichts und reden böse,

sie reden und lästern hoch her. 9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden.

10 Darum fällt ihnen der Pöbel zu und läuft ihnen zu in Haufen wie Wasser. 11 Sie sprechen: Wie sollte Gott es wissen? Wie sollte der Höchste etwas merken? 12 Siehe, das sind die Gottlosen; die sind glücklich in der Welt und werden reich.13Soll es denn umsonst sein, dass ich mein Herz rein hielt und meine Hände in Unschuld wasche?

 

Das war einige hundert Jahre vor Christi Geburt. Eine Welt in der die Ruhmredigen nicht die Möglichkeit hatten, ihre Ruhmesreden auf sich selbst über Twitter, Facebook, über Fernsehkanäle in Talkshows und auf Pressekonferenzen  zu verbreiten.

Und der Pöbel fällt ihnen zu wie Wasser und fällt auf sie herein.

 

Ein Psalm , der mich sprachlos macht, und traurig zugleich.

Gestern kam die Losung aus dem Buch Prediger. 9.Kapitel. In diesem Kapitel steht diese Geschichte:

4 Da war eine kleine Stadt und wenig Männer darin, und es kam ein großer König, der belagerte sie und baute große Bollwerke gegen sie.

15 Und es fand sich darin ein armer, weiser Mann, der hätte die Stadt retten können durch seine Weisheit; aber kein Mensch dachte an diesen armen Mann.

16 Da sprach ich: Weisheit ist zwar besser als Stärke, doch des Armen Weisheit wird verachtet, und auf seine Worte hört man nicht.

17 Der Weisen Worte, in Ruhe vernommen, sind besser als des Herrschers Schreien unter den Törichten.

18 Weisheit ist besser als Kriegswaffen; aber ein einziger Bösewicht verdirbt viel Gutes.

 

Und es waren große Städte mit vielen Millionen Einwohnern auf dieser Erde, in denen Menschen wohnten, die bettelarm waren, ohne Arbeit, Naturgewalten und Krankheiten hilflos ausgeliefert. Darunter waren viele die friedliebend waren, viele die fromm waren, und auch eine große Schar von Menschen mit reinem Herzen. Kein Pöbel, die  sich von den prahlerischen Versprechen der Ruhmredigen beeindrucken ließen. Denn sie hatten längst die Hoffnung, dass von Oben Gerechtigkeit über die Erde regnen wird. Tost und Hoffnung vielleicht von untern. Einem Kind in der Krippe. Einer Frau , die klein und bescheiden ist, wie einst eine Theresa.

Oder einer der so weise ist, dass man ihn mundtot macht, und seine Stimme doch nicht verstummt. Ich hoffe, dass der Heilige Geist uns Pfingsten diese Stimme wieder näher bringt.     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Lied dazu: EG 136

 

1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,

verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.

Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,

dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

 

3. Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;

darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.

Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu

und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

 

4. Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,

ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,

trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum

zu preisen und zu loben das Evangelium

 

Text: Philipp Spitta (1827) 1833

Melodie: Lob Gott getrost mit Singen (Nr. 243)

Andacht zum 29. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 29.4.2020

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)           

 

Losung:

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

Prediger 9,10

 

Heute morgen um 9.00 Uhr trafen wir uns im Kirchenkreis Bochum zur Pfarrkonferenz. Natürlich nicht real anwesend, sondern in einer Videokonferenz. Hauptthema war, wie in den Gemeinden mit der Möglichkeit unter strengen Hygieneauflagen Gottesdienste feiern zu dürfen, umgegangen werden kann. Was können , was wollen wir tun?

Der Superintendent Gerald Hagmann hat zur Begrüßung auf die Tageslosung verwiesen. „Eine Losung, die passt und eine Losung, die  in diesen Zeiten für sich spricht.“

Vor einigen Jahren haben wir in der Bibelgruppe das Buch Prediger durchgearbeitet. Am Ende war ich froh dass es vorbei war- gründlich abgehandelt. Denn ich stand kurz vor einer Depression.

Die Tageslosung hätte ich im Stil der Volxbibel im Sinne des Predigers so übersetzt. Macht doch was ihr wollt, es hat sowieso keinen Sinn.

Alle ist eitel (kein eitel Sonnenschein) , alles ist geleichgültig und ohne Wert. „Man mühe sich ab wie man will, man hat keinen Gewinn davon.“ (Pred.3,9)

Es gibt sicher erbaulicheres als Losung für diese Zeit als ein Vers aus dem Buch Prediger. Aarrhe Lauha kommentiert den Vers 10 so:      

 

10 Kohelet fordert dazu auf, alles das zu tun, was in den Kräften eines jeden liegt. »deine Hand findet« meint »du findest Gelegenheit«, »dir ist es möglich« (Ri 9,33; 1Sam 10,7; 25,8). Kohelets Rat bleibt formal im Rahmen der allgemeinen Schulweisheit, erscheint aber hier in anderem Licht: er verliert seinen freudigen, ermutigenden Charakter insofern, als er mit dem unausweichlichen Tod begründet wird wie das Vergnügen auf diesem Hintergrund nichtig ist, so löst sich auch alles- an sich empfehlenswerte — Streben, den irdischen Pflichten gerecht zu werden, im Tode in nichts auf“

(Aarrhe Lauha Kohelet, Biblischer Kommentar zum Alten Testament, Band 19, Neukirchen-Vluyn 1978,S. 170. )

 

Denn die Losung 9,10 a findet im zweiten Versteil eine Fortsetzung:

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu; denn bei den Toten, zu denen du fährst, gibt es weder Tun noch Denken, weder Erkenntnis noch Weisheit.

 

Bei Buber die Schrift ist es das „Gruftreich.“ Und vor dem Tod bleibt nach Kohelet in der Übeersewtzung von Martin Buber nur das „Dunstleben“. Immer mehr Menschen, die zur Zeit nicht die Gelegenheit haben   das zu tun was ihnen möglich wäre, empfinden ihr Leben als Dunstleben. Zumindest die, die in ihrer normalen Arbeit eine sinnvolle Beschäftigung sehen.

Ob kontaktlose Gottesdienste, ohne Singen, mit Atemschutzmasken für die Gottesdienstbesucher, eine Hilfe werden können um dem Dunstleben etwas Sinn einzuhauchen? Eine Kirche, steril wie ein OP im Krankenhaus, ob das heilsam ist? 

Ich spüre, dass ich wieder unheilvoll in das Denken des „Predigers“ hereingezogen werde.

Jesus hat gesagt, lasst die Toten ihre Toten begraben.

Öffnet all eure Sinne für das Leben, und da gibt es immer etwas zu tun.

Nichts was einen unsterblich macht, aber was einen bis zum Sterben durchs Leben tragen kann und Sinn gibt, im Vertrauen darauf, dass Gott uns aus dem Gruftreich befreit. Und so machen für mich auch bei aller Trauer über die Umstände, Gottesdienste in Coronazeiten einen Sinn.

 

Der Lehrtext: Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.  Römer 12,11

 

Ein Lied dazu :

 

EG 528 Ach wie flüchtig, ach wie nichtig

 

1. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Leben!

Wie ein Nebel bald entstehet und auch wieder bald vergehet,

so ist unser Leben, sehet!

 

2. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Tage!

Wie ein Strom beginnt zu rinnen und mit Laufen nicht hält innen,

so fährt unsre Zeit von hinnen.

 

3. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig ist der Menschen Freude!

Wie sich wechseln Stund und Zeiten,Licht und Dunkel,

Fried und Streiten, so sind unsre Fröhlichkeiten.

 

 8. Ach wie nichtig, ach wie flüchtig sind der Menschen Sachen!

Alles, alles, was wir sehen, das muss fallen und vergehen.

Wer Gott fürcht’, wird ewig stehen.

 

 

Text und Melodie: Michael Franck 1652

(Melodiefassung nach Johann Crüger 1661)

 

Andacht zum 28. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 28.4.2020

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)           

 

EG 346

1. Such, wer da will, ein ander Ziel,

die Seligkeit zu finden;

mein Herz allein bedacht soll sein,

auf Christus sich zu gründen.

Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,

sein heilger Mund hat Kraft und Grund,

all Feind zu überwinden.

2. Such, wer da will, Nothelfer viel,

die uns doch nichts erworben;

hier ist der Mann, der helfen kann,

bei dem nie was verdorben.

Uns wird das Heil durch ihn zuteil,

uns macht gerecht der treue Knecht,

der für uns ist gestorben.

4. Meins Herzens Kron, mein Freudensonn

sollst du, Herr Jesu, bleiben;

lass mich doch nicht von deinem Licht

durch Eitelkeit vertreiben;

bleib du mein Preis, dein Wort mich speis,

bleib du mein Ehr, dein Wort mich lehr,

an dich stets fest zu glauben.

                       

Die Losung:  So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen.  1. Chronik 22,19

 

Der Lehrtext: Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt. 1. Korinther 9,24

 

 

 

Die Unterschiede fallen schon auf. Ob da ein*e  Freizeitsportler*in

oder ein*e Leistungssportler*in joggt. Letztere wirken athletischer und durchtrainierter. Sie haben einen Trainingsplan der ausgerichtet ist auf einen sportlichen Wettkampf. Bei manchen Sportarten muss das Leistungshoch manchmal tagesgenau erreicht werden. Zurzeit läuft allerdings nichts. Wettkampfmäßig zumindest. Selbst König Fußball hat eine Zwangspause eingelegt.

 

Keine Pause gibt es für die Christen in der Gemeinde in Korinth und auch Paulus gönnt sich keine Auszeit. Und so spricht er vom Läufer in der Arena, vom Siegespreis, von zielgerichteten Faustschlägen und von der entbehrungsreichen Vorbereitung auf den Wettkampf.

Was Paulus sicherlich nicht beabsichtigt, ist es einen Moralkodex für Hochleistungssportler aufzustellen. Aber was für Sportler gilt, nämlich sich zielgerichtet vorzubereiten, den Wettkampf ernst zu nehmen, den Willen zum Sieg haben und für sein Ziel auch auf  gewisse Dinge zu verzichten - all dies gilt nach Paulus auch für ihn selbst- für das Amt des Apostels- und für alle Christen in Korinth.

 

Bei Paulus lese ich von der Kampfbahn,  in der alle laufen,  aber nur einer den Siegespreis empfängt.  Und er  stachelt geradezu auf:  Lauft so, dass ihr den Siegespreis erlangt  Im  Sportbereich  ist  das  ja  einleuchtend.  Bei der Olympiade geht es um mehr als nur ums Dabeisein. Jeder geht an den Start um zu gewinnen, oder um in die Medaillenränge zu kommen.

 

 

Aber eben dieses Konkurrenzdenken, diesen Kampf gegeneinander wünsche ich mir in der Gemeinde zu allerletzt. 

 

Es gibt zwar auch Gemeindemodelle, die nach dem Prinzip der Konkurrenz funktionieren sollen. Sekten belohnen ihrer Mitglieder dafür, dass sie  besonders  viele  neue  Mitglieder  werben.  Sie erhalten bestimmte  Privilegien,  dürfen  sich  mit  klangvollen  Titeln schmücken. Bei den Zeugen Jehovas z.B. vom Soldaten bis zum General.

Mir schwebt ein anderes Bild für die Gemeinde vor Augen, als das des olympischen Stadions. Auch dieses Bild findet sich bei Paulus. Es ist das von dem einen Leib und den vielen Gliedern. Und da sagt Paulus auch: Im Leib soll es keine Spaltung geben, sondern die Glieder sollen einträchtig füreinander sorgen.

Wenn Paulus  im 12.Kapitel des l. Kor. so über die Gemeinde schreibt, dann kann er im 9.Kapitel desselben Briefs unmöglich ernst meinen , dass Christen gegeneinander in den Wettstreit treten sollen.

Der Vergleich  mit  dem  sportlichen  Wettkampf  hinkt  an  dieser Stelle.

 

Aber Paulus meint es sehr ernst mit dem Kampf. Doch der Gegner in diesem Kampf um den Siegespreis sind nicht seine Mitchristen. Paulus beschreibt sich als seinen eigenen Gegner. „Ich kämpfe mit der eigenen Faust, aber nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich treffe meinen Leib und unterwerfe ihn.“

Das dürfen wir nicht zu wörtlich nehmen, sonst landen wir wieder im Mittelalter bei den Mönchen, die sich in ihrer Zelle selbst Geißeln, um ihren sündigen Körper abzutöten.

 

Doch was Paulus meint, kennen wir alle aus eigener Erfahrung. Es ist der Kampf gegen den inneren Schweinehund.

 

Gott bietet uns zwar seine Große Freiheit an. Aber diese Freiheit hat ein Ziel. Dieses Ziel ist Jesus Christus. Und der Weg zum Ziel heißt Nachfolge. Nur wenn wir als Gemeinde dieses Ziel nicht aus den Augen verlieren, läuft es auch gut . Wer das Ziel vor Augen hat, der mobilisiert noch einmal alle Kräfte, um das Ziel zu erreichen. Auch wenn der Weg bis an diese Stelle mühsam und beschwerlich, war, fällt die Müdigkeit und Trägheit von einem ab.

 

Wer  sein Ziel aus den Augen verliert, der hat es schwer. z.B. wenn auf einmal andere mit großem Einsatz in die entgegengesetzte Richtung laufen. Und kaum hat man die Richtung gewechselt und  versucht Anschluss an die Gruppe zu finden, ist man schon zum Mitläufer geworden    Ohne es  zu wissen  jagt man Zielen und Siegespreisen hinterher, die, wie Paulus sagt, vergänglich sind.

Jetzt bin ich wieder beim Bild der Laufbahn angelangt. Und da fällt mir noch ein anderer Unterschied ein, zwischen dem Sport und dem Gemeindeleben. Im Sport gibt es neben den sportlich Aktiven immer auch die Gruppe der Zuschauer. Die sitzen in den Rängen und feuern diejenigen an, die da unten, in der Laufbahn ihr Bestes geben, um das Ziel zu erreichen.( Außer es kommt in einigen Sportarten demnächst tatsächlich zu Meisterschaftsspielern ohne Zuschauer.)

Manche behaupten Boshaft. In den Kirchen ist es ja genauso. Viele Aktivitäten aber leere Ränge. Am kommenden Sonntag und nächste Woche würden wir unter „normalen“ Umstände“ Konfirmationen feiern mit einer großen Zahl von Gottesdienstbesucher*innen. Also keine „Geistergottesdienste.“ Aber anders als z.B. in der Bundesliga ist es auch nicht schlimm, wenn nur wenige einen Gottesdienst besuchen. Denn es gilt: Wo zwei oder drei in –seinem (Christi)- Namen versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen.

     

Die Losung geht in diese Richtung:

So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen.  1. Chronik 22,19

 

 

Gott suchen, mit Herz und Sinn auch den Verstand muss man nicht ausschalten. Ich glaube nicht, dass Gott in den christlichen Gotteshäusern unter Corona-Quarantäne steht und sich erst wieder zeigt wenn wir in vollem Umfang Gottesdienste feiern können. Dem Mose ist er im brennenden Dornbusch erschienen. Dem Elia in einem sanften Säuseln des Windes  vor einer Höhle. Den Hirten im Kind in der Krippe. Den Emmaus-Jüngern beim Brechen des Brots. Dem Paulus auf dem Weg nach Damaskus. Martin Luther immer wieder neu beim Übersetzen der Bibel im Turm der Wartburg. Und  unendlich vielen beim Lesen in der Heiligen Schrift.  

 

Andacht zum 27. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 27.4.2020

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   

 

EG 271 Wie herrlich gibst du, Herr, dich zu erkennen

 

 

1. Wie herrlich gibst du, Herr, dich zu erkennen,

schufst alles, deinen Namen uns zu nennen:

Der Himmel ruft ihn aus mit hellem Schall,

das Erdenrund erklingt im Widerhall.

 

2. Verborgen hast du dich den klugen Weisen

und lässest die Unmündigen dich preisen.

Den Leugner widerlegt des Säuglings Mund;

der Kinder Lallen tut dich, Vater, kund.

 

6. Doch ach, der Mensch ist von den Wesen allen

am tiefsten in die Schuld und Schand gefallen.

Statt Herr ist er der Sklave der Natur;

nach seiner Freiheit seufzt die Kreatur.

 

7. Drum stieg herab von seinem Himmelsthrone

Jesus und ward zum wahren Menschensohne,

erniedrigte sich selbst bis in den Tod

und wendete der Menschheit Schand und Not

 

Text: Wilhelm Vischer 1944

Melodie: Guillaume Franc 1542, Loys Bourgeois 1551

 

 

 

Am 8.9.2017 gab es eine Pfarrkonferenz in der Huestadt in unmittelbarer Nähe zur Ruhruniversität. Die Tageslosung an diesem Freitag war dieselbe, wie heute Ende April 2020. Ich war eingeladen die Andacht zu halten. Niemand hat damals geahnt, wie hilflos und nackt wir vor den Problemen stehen, die uns (= der gesamten Menschheit) der Covid-19    

Virus einbrocken würde.

Die Losung war und ist heute:

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN. 1. Mose 3,8

 

Hier die Andacht vom September 2017 mit fettgedruckten Updates.

 

Ich stamme aus einer bildungsfernen Familie und bin mitten in einem prekären Milieu Wanne-Eickels aufgewachsen .

Mein Vater zeigte mir, es muss so 1963 gewesen sein stolz die Baustelle der Ruhruniversität. Er war als Eisenflechter auf dem Bau tätig.

Meine Schwester- sieben Jahre älter bekam nach einer Ausbildung als Buchhändlerin eine Anstellung in der katholischen Fachbibliothek. Und freundete sich mit Studenten an. Sozialwissenschaftler, Psychologen, und ich bekam als 12 jähriger die Diskussionen der Studentenbewegung mit. Ich  hatte nur einen Wunsch Besserwisser und Klugscheißer zu werden. Ich löste mich aus dem bildungsfernen Milieu, las mit 14 Freud, und später Habermas, Bloch und C.G.Jung, Erich Fromm sowieso und auch Carlos Castenada „Die Lehren des Don Juans“.     

Doch irgendwie fehlt mir das Vertrauen darauf, dass Drogen bewusstseinserweiternd sein könnten. Und so setzte ich weiter auf die Droge Buch. Natürlich in dieser wilden Zeit Anfang der 70er Jahre auch auf die Droge Musik.

Doch wenn mir irgendwer eine verbotene Frucht angeboten hätte mit der garantierten Wirkung, klug, allwissend und Weise zu werden, ( in echt und nicht nur so, dass ich der Welt gegenüber behaupte ich wäre es) ich hätte zugegriffen. Um dann - wer weiß- so dazustehen, wie es das Buch Genesis im 3 Kapitel berichtet.

 

Die Tageslosung:

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn

 

Denn sie hatten vom Baum der Erkenntnis gegessen  – nicht die Erkenntnis  von Gut und Böse im moralischen Sinn, sondern wie Martin Noth in seinem Kommentar schrieb: Die Erkenntnis, was heilsam und schädlich, was richtig und falsch ist.  Und sie erkennen in ihrer frisch erlangten Klugheit auch, dass sie nackt sind. Martin Noth findet eine schöne Umschreibung für diesen neuen Zustand in dem sich der Mensch nun befindet: Er ist entherrlicht. ( Wie sehr wünsche ich mir, dass solche Regenten, wie Trump, Putin, Bolsanaro, kim jong un auch entherrlicht würden)  

Gott gibt dem Menschen etwas von seiner Würde zurück. Er macht ihm Röcke aus Felle.

Und die Kreatur Mensch wird kreativ, wird königliche Gewänder schneidern, und Rüstungen schmieden, Uniformen, Burkas ( vielleicht kommt ja in der Hilflosigkeit gegenüber Corona nach der Maskenpflicht auch noch die Burkapflicht) und Nadelstreifenanzüge, damit er sich nicht seiner Nacktheit und sie sich nicht ihrer Nacktheit schämen muss.

 

Die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies findet im gesamten Kanon der hebräischen Bibel keinen Widerhall. Als wenn sich die Menschen nicht gerne eingestehen, dass sie gespaltenen Persönlichkeiten sind. Klug und Nackt zugleich.

Klug genug Atome zu spalten, aber hilflos und nackt wenn es darum geht Frieden zu schaffen oder auch nur radioaktiven Müll dauerhaft zu entsorgen.

Klug genug für Sinusstudien, aber hilflos und nackt Brücken zwischen Milieus  zu bauen .  

Klug genug nach 500 Jahren  die Bedeutung der Reformation zu analysieren aber hilflos und nackt dabei die Einheit der Christenheit wiederzugewinnen.

Klug genug den ganzen Erdball mit sicherem Handynetz auszustatten, damit die Zahlen über Infizierte und an Corona gestorbene gesammelt werden können für die Statistiken, aber hilflos und nackt um Armut und Hunger in der Welt abzuschaffen. 

 

Paulus hat dem Sündenfall in seiner Theologie eine zentrale Stellung gegeben.

Römer 5 : Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen ( Adam)  die Vielen zu Sündern geworden sind, so  werden auch durch den Gehorsam des Einen (Christus) die Vielen zu Gerechten.

 

Und deshalb brauchen wir uns nicht mehr vor Gott zu verstecken wie es Adam und Eva taten. Wir brauchen uns unserer Klugheit und gleichzeitiger Nacktheit nicht schämen. Aber wir sollten sie uns immer wieder aufs Neue bewusst machen, damit wir unsere Grenzen erkennen.

 

Der Lehrtext  lautet:

 

Ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!

Römer 8,15

 

 

Andacht zum Sonntag, 26. April 2020

Gedanken zum Predigttext des Sonntags Misericordias Domini

 

 

Der Name des Sonntags leitet sich von Psalm 33,5 ab: Misericordias Domini plena est Terra-

Die Erde ist voll der Güte (bzw. Barmherzigkeit ) des Herrn.

 

Siebzig Jahre nach Jesu Auferweckung wird der Glaube in den Gemeinden müde.

Die Hoffnung, dass der Heiland ganz rasch wiederkommt hat sich nicht erfüllt. Immer noch gibt es Leid , Schmerz und Elend in der Welt.

 

 

Die Christinnen und Christen leiden darunter, dass  ihr Gott ein unsichtbarer nicht vorzeigbarer Gott ist. Vielleicht auch an dem, was sich zeigen lässt, was er vorzeigt, das Kreuz, einen schmählichen Tod.

Damit macht man keinen Eindruck in der Welt.

Da muss Trost her, da muss eine Deutung her, die die Welt in den Schatten stellt.

Petrus bietet sie an, wenn er schreibt: Durch seine  Wunden seid ihr heil geworden.

Die Hoffnung auf Heil hat sich schon erfüllt, ist mitten unter uns. Sie wirkt, wo wir beieinander stehen, uns dem Hirten unserer Seelen zuwenden und das Heil unter uns weitergeben.

 

 

In den jetzigen Zeiten machen viele von uns diese Erfahrung.

Das macht das Leiden in der Welt nicht geringer; aber für den Glaubenden leichter zu ertragen.

Petrus, dem Leid und Angst nicht fremd ist hält sich fest an der Nähe Gottes.

 

 

Wie behütet Gott uns heute?

In einer Welt, die an vielen Stellen kein Bild von Geborgenheit abgibt können wir uns dem anvertrauen, was uns der Wochenspruch ( Joh10,11,27.28) ans Herz und in die Seele legt:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.

 

Gebet:

 

Barmherziger Gott , allem Bösen zum Trotz bleibst du unser großer Trost.

Die Quelle, aus der wir trinken, der Stab, der uns den Weg durch das Leben weist, damit wir unverzagt gehen.

Dass uns diese Gewissheit erhalten bleibe, wo wir auch sind, wie es uns auch ergeht, im Hause des Herrn zu sein --das bitten wir Dich Gott, durch Jesus Christus, der mit dir und dem heiligen Geist bei uns ist und unser Leben trägt-Heut, morgen, alle Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen.

 

Lied zum 24. April 2020

Dustehst.m4a

Andacht zum 24. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 24.4.2020

                        Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   

                        Aus Feiert Jesu 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Losung:

HERR, gedenke doch an deinen Bund mit uns und lass ihn nicht aufhören!

Jeremia 14,21

 

Vergebliche Bitte bei Dürre und Kriegsnot

 

So ist das 14.Kapitel des Propheten Jeremia in der Lutherbibel überschrieben.

Sehr prosaisch beschreibt Jeremia die Folgen einer Dürreperiode.

Z.B. Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen und schnappen nach Luft wie die Schakale; ihre Augen erlöschen, weil nichts Grünes wächst.

 

Gestern habe ich im Garten gewässert. Den Weinstock, den ich vor 25 Jahren geschenkt bekam, als Dank für eine seelsorgerliche Begleitung eines Krebskranken. Weintrauben haben wir noch nicht erntet, weil die Drosseln immer schneller waren und sich bedienten, bevor die Trauben reif waren.

Aber vertrocknen lassen wollte ich den Weinstock nicht. Mit feinem Wasserstrahl habe ich gegossen und ein Schmetterling flog heran und tanzte in dem Sprühnebel. Ein Schmetterlingsschlag in China kann einen Tornado in Amerika auslösen. So viel kleiner ist ein Virus. Und trotzdem hat ein Virus (in China???) die Welt aus den Angeln gehoben. Seit Jahren wird diskutiert, welche Gefahren für die Welt von seinem Verhalten, seinem Handel ausgehen.

Eine Technokratie, die nur Gewinnmaximierung als ethische Leitlinie sieht. Zumindest in den westlichen und östlichen Industrieländern schien das zur Gefahr zu werden für die Erde.

Und gleichzeitig begann eine unmenschliche Abschottung gegen Menschen, die aus Kriegsgebiete und vor Umweltkatastrophen fliehen müssen.   

 

Dürre- Kriegsnot- Epedemien- Not lehrt beten und Not lässt die Erfahrung machen, dass Gebete vielleicht erhört aber unsere Bitten nicht erfüllt werden.

Im Sprühnebel tanzt ein Schmetterling und in der Abendsonne bildet sich ein kleiner Regenbogen und erinnert mich an den Bund den Gott mit Noah geschlossen hat.

 

1. Mose 9 Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig:

13 Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.

14 Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken.

15 Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe.

 

Gott muss ich nicht an seinen Bund erinnern, denn Gott ist treu.

Aber wie ist es um unserer Treue bestellt ? 

 

Der Lehrtext:

 

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres

Herrn. 1.Kor.1,9

Andacht zum 23. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 23.4.2020

Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   


 


Als Lied dazu EG 326

 

 

1. Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut,

dem Vater aller Güte,

dem Gott, der alle Wunder tut,

dem Gott, der mein Gemüte

mit seinem reichen Trost erfüllt,

dem Gott, der allen Jammer stillt.

Gebt unserm Gott die Ehre!

 

 

 

3. Was unser Gott geschaffen hat,

das will er auch erhalten,

darüber will er früh und spat

mit seiner Güte walten.

In seinem ganzen Königreich

ist alles recht, ist alles gleich.

Gebt unserm Gott die Ehre!

 

5. Der Herr ist noch und nimmer nicht

von seinem Volk geschieden;

er bleibet ihre Zuversicht,

ihr Segen, Heil und Frieden.

Mit Mutterhänden leitet er

die Seinen stetig hin und her.

Gebt unserm Gott die Ehre!

 

8. Ihr, die ihr Christi Namen nennt,

gebt unserm Gott die Ehre;

ihr, die ihr Gottes Macht bekennt,

gebt unserm Gott die Ehre!

Die falschen Götzen macht zu Spott;

der Herr ist Gott, der Herr ist Gott!

Gebt unserm Gott die Ehre!

 

Text: Johann Jakob Schütz 1675

Melodie: Johann Crüger 1653 nach Nr. 294

Andere Melodie: Bis hierher hat mich Gott gebracht



Losung:

Ich habe dich bereitet, dass du mein Knecht seist. Israel, ich vergesse dich nicht! Jesaja 44,21

Lehrtext
Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebräer 10,35

 

Karl Rübling hat in seinem Leben viel Glück gehabt. Aber manchmal eben auch Pech. Wie das so ist im richtigen Leben. Als er 10 war haben seine Eltern aus einem kleinen Dorf in Sachsen in den Westen rüber gemacht. Karl war unglücklich, weil er von seinem besten Freund und Spielkamerad

getrennt war. Auch der Neustart in einer Realschule war nicht leicht. Er wurde gehänselt weil er sächselte. Und fand er spät wieder Freunde. Denn er war ein guter Sportler, und im Fußballverein

wurde er bald zum beliebten Linksaußen. Auf dem Platz lernte er auch seine zukünftige Frau kennen. Sie war die Schwester, vom Torwart der B-Jugend. Und bei der Weihnachtsfeier des Vereins kam man sich beim Tanzen näher. Nach der Schule machte er eine Lehre zum Stahlwerker auf der Henrichshütte. Da blieb er bis die Hütte dicht macht.

Karl Rübling heiratete, sie bekamen zwei Kinder, ein Mädchen einen Jungen. Die Frau erkrankte leider an Krebs. Sie starb mit 48 Jahren. Da waren die Kinder schon „aus dem Gröbsten raus“

Beide machten ihr Abi. Beide studierten. Die Tochter Medizin. Der Sohn Informatik. Beide blieben nicht in Bochum. Aus Münster und aus Frankfurt kommt man nicht jedes Wochenende um den alten Vater zu besuchen.  Aber Karl kam ganz gut zurecht. Keine finanziellen Probleme, sogar zu einer Eigentumswohnung hatte es gereicht. 74 Jahre war er alt, als er einen Schlaganfall bekam. Linksseitig gelähmt. Krankenhaus. Reha .Kurzzeitpflege. Und die Kinder drängten, dass er doch in ein Heim gehen soll, wo er gut versorgt ist. Doch er wollte wieder nach Hause. Und es ging mit der Hilfe von Polnischen Pflegekräften. Mal ging es gut, mal weniger gut. Und dann kam Martyna.

Die hatte das Herz am rechten Fleck und erledigt den Haushalt, kochte fantastisch und hatte auch pflegerisch eine professionelle Einstellung. Man muss dazu sagen: Karl Rübling war kein pflegeleichter Mensch. Er hatte schon einen gebieterischen Ton.

Ein polnischer Pfleger hat ihn mal als Sklaventreiber beschimpft. Aber Martyna hatte ein dickes Fell. Und für Herrrn Rübling gab es ja auch nicht viel zu meckern. Und so ging es ein paar Jahre. 3 Monatehalf ihm Martyna drei Monate eine andere/r. Und dann kam der Tag an dem Martyna lange nach Hause telefonierte und ihm dann erklärte. „ Meine Mutter ist erkrankt, sie braucht jetzt meine Hilfe. Es tut mir Leid.“ Der Abschied wurde sehr traurig. Karl hatte  als Abschiedsgeschenk eine goldene Kette mit einem goldenen Kreuz besorgen lassen. Dem harten Kerl kamen die Trägen. Und er dankte, dass Martyna es so lange ertragen hat, von ihm wie eine Sklavin behandeln zu lassen. „ Ich vergesse dich nicht“ waren seine letzten Worte.

 

Die Tageslosung:

Ich habe dich bereitet, dass du mein Knecht seist. Israel, ich vergesse dich nicht! Jesaja 44,21


Die Zeichen stehen auf Abschied. Israel mag Gott nicht mehr dienen. Ob er zu viel verlangt hat?

Seine Volk überfordert hat. Aber Gott war ja kein Sklaventreiber, sondern einer der aus Sklaverei befreit hat.   Im babylonischen Exil wurde Israel wieder in die Sklaverei gezwungen. Wurden sie auch gezwungen babylonische Gottheiten zu verehren? Im 44 Kapitel prangert Jesaja an, dass die Rückkehrer, auch anfingen sich Götzen herzustellen, die sie anbeteten. Ein Kult der im Exil ein wenig Halt gab. Israel hatte seinen Gott JAHWE vergessen.

 

Nicht der Mensch hat Gott erschaffen. Sondern Gott hat den Menschen erschaffen. Ihn bereitet, damit er die Bereitschaft zeigt, dem Guten zu dienen in Freiheit.

Und der Menschen begibt sich in Abhängigkeiten, in Teufelskreise, aus denen er Gottvergessen keinen Ausweg findet. 

 

Der Lehrtext:

Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebräer 10,35

 

Im Vertrauen darauf, dass Gott uns in seine Gemeinschaft ruft, auch wenn diese Gemeinschaft nicht in der Kirche zusammenkommen kann, sind wir eingeladen zum Gottesdienst im Alltag dieser Welt, wie sie uns heute begegnet. Eine große Belohnung ist uns gewiss.

 

 

Andacht zum 22. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 22.4.2020

Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   


 

Als Lied dazu: EG 182 Halleluja

 

2. Suchet zuerst Gottes Reich in dieser Welt, seine Gerechtigkeit, Amen.

So wird euch alles von ihm hinzugefügt. Halleluja, Halleluja.

 

3. Betet, und ihr sollt es nicht vergeblich tun. Suchet, und ihr werdet finden.

Klopft an, und euch wird die Türe aufgetan. Halleluja, Halleluja.

 

5. Ihr seid das Volk, das der Herr sich ausersehn. Seid eines Sinnes und Geistes.

Ihr seid getauft durch den Geist zu einem Leib. Halleluja, Halleluja

 

Losung:

Ich schwor dir’s und schloss mit dir einen Bund,

spricht Gott der HERR, und, du wurdest mein.  Hesekiel 16,8

 

Vor vielen Jahren spielte ich E-Bass in einer Band. Eine verrückter Zeit. Wir hatten neben eigenen Songs auch das Gedicht Anna Blume von dem Dadaisten Kurt Schwitters vertont.

So beginnt das Gedicht:

 

Oh Du, Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, ---- wir?
Das gehört beiläufig nicht hierher!
Wer bist Du, ungezähltes Frauenzimmer, Du bist, bist Du?
Die Leute sagen, Du wärest.

 

Zu Hause haben wir aus Spaß mit einer dadaistischen Collagentechnik gespielt.

Wir haben willkürlich Satzfetzen aus Zeitungen und Illustrierten ausgeschnitten und sie zu

sinnfreien aber oftmals witzigen Texten zusammengesetzt.  Das wäre eine Aufgabe in Corona-Zeiten aus den 1824 Losungsversen der Herrnhuter Brüdergemeinde einen neuen Mischtext zusammenzustellen. Die Zusammenhänge aufzulösen; neue herzustellen. Doch das würde wahrscheinlich auch zu einem sinnfreien Ergebnis führen. Deshalb ist es oft sinnstiftender aus einem Losungsvers, der aus dem Zusammenhang gerissen zufällig auf diesen Tag fällt, den ursprünglichen Zusammenhang zu betrachten.

Kurz zusammengefasst für Hesekiel 16:

Ein Kind wird geboren. Doch das Kind ist nicht gewollt. Abgenabelt und nackt noch blutig von der Nachgeburt wird der Säugling ungestillt in die Gosse geworfen. Jemand findet die armselige Gestalt, halb tot. Spricht : „Lebe“ und nimmt sich dem Kind an. Ein Mädchen , das wächst und zu einer wunderschönen Frau wird: So klingt das in der Übersetzung Martin Bubers (Die Schrift)

Kapitel 16,7…..

du wuchsest, du wurdest groß, du kamst bis in die Reife,

gesteift schon waren die Brüste, hervorgesproßt war dein Haar,

aber bar noch warst du und bloß.

8 Wieder trat ich zu dir, ich sah dich: Zeit der Minne war nun deine Zeit.

Ich breitete über dich meinen Flügel, ich hüllte deine Blöße ein,

ich schwur mich dir zu, ich kam in den Bund mit dir.

 

 

Bis dahin eine Liebesgeschichte. Das Findelkind wird  Frau und wird zur Frau genommen.

Vers 13 : Schön wurdest du, sehr, übersehr, du taugtest zur Königschaft.

Doch dann die Tragödie :

5 Aber sicher wurdest du da ob deiner Schönheit,

du hurtest, - ob deines Namens, du schüttetest deine Hurerei

über alljeden, der herantrat, wer es auch sei.

 

Wer ist die sehr, ja übersehre Schönheit?

 

Der Prophet Hesekiel zeichnet ein düsteres Geschichtsbild der Stadt Jerusalem.

Die Heilige Stadt , Tochter Zion, als Prostituierte zu zeichnen ist schon gewagt.

 

Israel und Jerusalem sind schlimmer als Sodom und Gomorrha.

Doch überraschend endet das 16.Kapitel mit einem erneuten Treuschur des betrogenen Ehemanns.

 

Und ich will meinen Bund mit dir aufrichten, so dass du erfahren sollst, dass ich der HERR bin,

63 damit  du daran denkst und dich schämst und vor Scham deinen Mund nicht mehr aufzutun wagst, wenn ich dir alles vergeben werde, was du getan hast, spricht Gott der HERR. (Luther)

 

 

Gott vergibt seinem untreuen Volk Israel.

 

„ So also versteht Hesekiel die kanonische Gottesgeschichte: als eine Kette von Mißerfolgen Jahwes und als ein fortgesetztes Scheitern Israels an dem göttlichen Willen. Das einzige, was der Sache Bestand und Dauer gab, war eine fortwährende göttliche „ Inkonsequenz“ nämlich die Rücksicht auf die Ehre seines Namens bei den Völkern.“ (Gerhard von Rad Theologie des Alten Testaments, S. 237, 8.Auflage München 1984, Hervorhebung von mir)

Das Gericht wird Israel nicht erspart, aber „dieses Gericht wird Israel nicht vernichten ; es wird ein Läuterungsgericht sein.“ (ebd.)

 

 

Die fortwährende göttliche Inkonsequenz gibt auch uns Christen die Chance aus einer Unheilsgeschichte, gesättigt von Unmenschlichkeiten, Machtmissbrauch, Koalitionen mit Diktatoren und Kriegstreibern durch alle Zeiten zu lernen.

Sind wir geläutert durch die Zeiten vieler Gerichte gekommen? 

 

Im Lehrtext zeichnet sich Hoffnung ab, aber auch eine Mahnung.

 

Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Galater 3,26

 

Wir sind Kinder Gottes, wie gut. Und sollten immer auf der Hut sein, dass wir unserer Schönheit

und der Liebe Gottes zu sicher sind, um uns von Gott zu lösen. 

 

Und noch ein Musiktipp passend zum Wetter .

https://www.youtube.com/watch?v=aWKhF75Ia5Q

 

 

Andacht zum 21. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 21.4.2020

Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   


 

Als Lied dazu:  

RWL 593 Mein Schöpfer, steh mir bei

1. Mein Schöpfer, steh mir bei, sei meines Lebens Licht und führe mich zum Ziel,

wie es dein Wort verspricht. Lass mich Vertrauen fassen, auf dich mich zu verlassen.

Ich möchte dir gehören und deinen Namen ehren. Mit dir zu leben, mach mich frei,

mein Schöpfer steh mir bei.

 

3. Mein Tröster, gib mir Kraft, mach mich erwartungsvoll und hilf mir zu bestehn,

wo ich bestehen soll. Mein Denken, Tun und Sagen lass mich auf Christus wagen,

dass ich mich mutig übe in wahrer Menschenliebe. Du bist, der alles Gute schafft,

mein Tröster, gib mir Kraft.

Text: nach Johann Jakob Rambach 1729 von Detlev Block 1990

 

Losung:

Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm;

denn er hatte seinem Gott vertraut. Daniel 6,2

 

Ich warne davor, dem Beispiel Daniels zu folgen.

Bitte, wenn die Zoos wieder für den Publikumsverkehr öffnen, bitte nicht ins Löwengehege steigen.

Auch für Tiger und Eisbären gebe ich keine Empfehlung. Auch wenn ich keinen Grund habe, daran zu zweifeln, dass ihr Vertrauen in Gott groß ist. Keinen Grund habe ich, daran zu glauben, dass das Vertrauen Jesu ins seinen Vater grenzenlos war. Das hatte der Diabolo (Verdreher) erkannt, und die vermeintlich Glaubensstärke als  vermeintlichen Schwachpunkt vermutet.

 

Mat.4: 9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter;

10 denn es steht geschrieben (Psalm 91,11-12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, dass sie dich bewahren. 11 Und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«  12 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt (5.Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

 

Was tun?

So bald wie möglich wieder mit Gottesdiensten starten. Auf das verfassungsmäßige Recht der freien Religionsausübung pochen. Die Freiheit nehm ich mir zur Not. Oder ist unser Glaube zu schwach, vertrauen wir Gott nicht, dass er uns vor den winzigen (Lebens-)Räubern beschütztet, wenn doch mit guter Absicht sein Evangelium verkünden.

 

Oder versuchen wir dann Gott, setzen unsere und die Gesundheit unseres Nächsten aufs Spiel.   

Und der Diabalo reibt sich die schwefligen Hände.

Ich gebe zu, dass ich öfter denke, dass die Gedanken , die ich in Gottesdiensten und Andachten weitergegeben habe kluge und  auch inspirierte Gedanken waren. Ich bilde mir aber nicht ein, dass

Mein Dienst, meine Person, mein Denken und  Handeln unverzichtbar ist. Die Welt dreht sich auch weiter, wenn ich mich noch eine Weile zurückhalte. Da vertraue ich voll und ganz meinem Schöpfer.

Dem Nächsten Gutes tun, in dem man ihm nicht zu nahe kommt. Das scheint mir (noch) angesagt.

Deshalb: „ Wachet, steht im Glauben, seid mutig ( nicht übermütig) und seid stark ( ohne eure Muskeln spielen zu lassen)!“

1.Korinther 16,13

 

Andacht zum 20. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 20.4.2020

Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   


 


Als Lied dazu: EG 666

 

1. Selig seid ihr,

wenn ihr einfach lebt.

Selig seid ihr,

wenn ihr Lasten tragt.

 

2. Selig seid ihr,

wenn ihr lieben lernt.

Selig seid ihr,

wenn ihr Güte wagt.

3. Selig seid ihr,

wenn ihr Leiden merkt.

Selig seid ihr,

wenn ihr ehrlich bleibt.

 

4. Selig seid ihr,

wenn ihr Frieden macht.

Selig seid ihr,

wenn ihr Unrecht spürt.

Text:

Friedrich Karl Barth und Peter Horst 1979

 

Losung und Lehrtext für Montag, 20.04.2020

 

Der HERR sprach:  Dazu habe ich Abraham auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist.

1.Mose 18,19


Befreit von der Sünde und in den Dienst Gottes gestellt, habt ihr die Frucht, die Heiligung schafft, und als Ziel ewiges Leben.

Römer 6,22

 

Wenn eure Kinder euch fragen, was habt ihr getan gegen den Klimawandel, gegen Artensterben, Umweltverschmutzung. Was habt ihr getan gegen die rücksichtslose Ausbeutung der Erde. Wenn eure Kinder euch fragen, weshalb habt ihr uns nicht gesagt was recht und gut ist.

Werden wir dann antworten?

„Wir haben geduldig abgewartet, bis ein Virus den wir Covid 19 nannten die Menschheit dazu brachte Ressourcen zu schonen und nachhaltiger zu konsumieren.“

 

„Verschone uns mit Feuer, Missernten und Heuschreckenschwärmen“, beteten die Farmer am Sonntagmorgen. „Schlage den Feind mit Blindheit, auf dass wir in Ruhe seine Felder abnagen können“, beteten die Heuschrecken zur selben Zeit. (Wolfdietrich Schnurre)

 

Heute lese ich, dass die Fischer sich über fehlende Nachfrage beklagen, weil so viele Restaurants geschlossen sind. Ob Fische beten: „ Lass die Restaurants noch lange geschlossen, damit sich unserer Bestände erholen können.“

 

Ob Greta Thunberg zu Hause sitzt, (Fridays for Future Demos machen ja wenig Sinn wenn die Schulen geschlossen sind) und betet und hofft, dass der Corona-Virus noch lange die Welt im Zaum hält.  

Die Gefahr ist groß in diesen Zeiten, dass vereinfacht wird, und dass man zum Zynismus neigt.

Millionen von Kleinstrentnern sollen auf die Mindestrente verzichten, damit der Mittelstand gefördert werden kann. (FDP-Vorschlag). 

Welchen Sinn machen Steuersenkungen, wenn der Staat Steuerausfälle hat und gleichzeitig die Ausgaben erhöhen muss? (Ich weiß ich bin da Laie, aber ich hatte auch VWL zum Abitur. Lang ist es her.)

Und ein Blick über den großen Teich: Lasst euch vom Virus nicht eure Freiheit nehmen, besonders nicht das Recht Waffen zu tragen.“

Wer hat sich nicht dabei erwischt zu denken: „Es sterben ja doch fast (nur) Alte und Kranke.“

Ach ja, man vergisst zu schnell, wie alt man selbst schon ist.

Wo haben wir als Kindeskinder Abrahams die Frucht, Heilung zu schaffen mit dem Ziel des ewigen Lebens? 

Ich erinnere an die ethische Kernaussage der Heiligen Schrift. „ Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“  Zu einfach? Für zu viele, leider schon zu schwierig.

Andacht zum 17. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 17.4.2020

Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   


 

 


Als Lied dazu:

EG 445 Gott des Himmels und der Erden

 

1. Gott des Himmels und der Erden,

Vater, Sohn und Heilger Geist,

der es Tag und Nacht lässt werden,

Sonn und Mond uns scheinen heißt,

dessen starke Hand die Welt,

und was drinnen ist erhält:

 

2. Gott, ich danke dir von Herzen,

dass du mich in dieser Nacht

vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen

hast behütet und bewacht,

dass des bösen Feindes List

mein nicht mächtig worden ist.

 

4. Hilf, dass ich mit diesem Morgen

geistlich auferstehen mag

und für meine Seele sorgen,

dass, wenn nun dein großer Tag

uns erscheint und dein Gericht,

ich davor erschrecke nicht.

 

5. Führe mich, o Herr, und leite

meinen Gang nach deinem Wort;

sei und bleibe du auch heute

mein Beschützer und mein Hort.

Nirgends als von dir allein

kann ich recht bewahret sein.

 

Text und Melodie: Heinrich Albert 1642

 

 

 

Losung:

Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen.

Psalm 71,3

 

„4) gewöhnlich aber ist im 15., 16. jahrhundert hort zu einer bezeichnung dessen wes man sich tröstet, worauf man sich verläszt oder stützt,   ………

in dieser bedeutung kannte und benutzte für die bibelübersetzung Luther das wort, bezogen auf gott: hort hab ich verdeudscht (ps. 62, 3), da auf ebreisch stehet zur, welches heiszt einen fels, denn hort heiszen wir, darauf wir uns verlassen, und uns sein trösten. „

(Zitiert nach Deutsche Wörterbuch von Jakob Grimm und Wilhelm Grimm, digitale Aushabe Stichwort Hort )

Worauf verlassen wir uns, was kann und trösten?

 

Ohne Frage: Die Mehrheit in Deutschland verlässt sich auf die Aussagen von Virologen, von Gesundheitsexperten, von Politiker*innen, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid19-Infektionen notwendig sind. Trotzdem erkranken immer wieder Menschen an dem tückischen Virus. Sicherheit geht vor. Aber 80 Millionen Einwohner in der BRD unter Quarantäne stellen geht nicht. Pandemie heißt, es gibt keinen Ort an den ich fliehen kann, an dem mich die Infektion nicht erreichen könnte.

Der Psalm 71 ist überschrieben:

 

Bitte um Gottes Hilfe im Alter.

 

Auch vor dem Älter werden gibt es kein Entkommen. Ich kann nicht vor dem Lauf der Zeit fliehen, aber ich kann zu Gott fliehen, der derselbe ist in Ewigkeit. Ich erlebe, wie die Zeit vergeht, aber ich darf auch an Gottes Ewigkeit denken, und hoffen , dass er meine Zeit in seiner Zeit einen weiten Raum gibt.

 

Als ich den Lehrtext las, dachte ich: „Wieder dieses unsägliche Vertrösten aufs Jenseits.“

 

Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich.

2.Timotheus 4,18

 

Ich möchte es anders verstehen. Im Sinne von Lukas 17,21:

 

Jesus sagt: Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es!

Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.

 

Gottes Ewigkeit als Zufluchts(h)ort im Hier und Jetzt, in einem allumfassenden Raum-Zeit- Kontinuum. In diesem himmlischen Reich erfahre ich meine Vergänglichkeit und gleichzeitig, dass ich in meiner Begrenztheit so angenommen bin, wie ich bin.   

 

Ich wünsche allen ein gesegnetes Wochenende!

Andacht zum 16-April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 16.4.2020

Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   


 

 

Als Lied dazu:EG 497

1. Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun

und Werk in deinem Willen ruhn,

von dir kommt Glück und Segen;

was du regierst, das geht und steht

auf rechten, guten Wegen.

 

2. Es steht in keines Menschen Macht,

dass sein Rat werd ins Werk gebracht

und seines Gangs sich freue;

des Höchsten Rat, der macht’s allein,

dass Menschenrat gedeihe.

 

 

 

3. Es fängt so mancher weise Mann

ein gutes Werk zwar fröhlich an

und bringt’s doch nicht zum Stande;

er baut ein Schloss und festes Haus,

doch nur auf lauterm Sande.

 

4. Verleihe mir das edle Licht,

das sich von deinem Angesicht

in fromme Seelen strecket

und da der rechten Weisheit Kraft

durch deine Kraft erwecket.

 

Text :Paul Gerhardt

 

Losung: Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!

Jesaja 5,21

Am Anfang des 5.Kapitels im Buch Jesaja steht das Weinberglied. Ein Protestsong gegen die Missstände im Inneren Judas zu einer Zeit in der Israel einen „ beachtlichen politischen und wirtschaftlichen Aufschwung“ (Georg Fohrer , Einleitung in das Alte Testament , Heidelberg 1979 , Seite 399)  erlebte.  Das war etwa 740 v.Chr. Das Weinberglied endet in der genialen Übersetzung Martin Luthers mit Wortspielen in Vers 7:    

 

7.Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch,

auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

 

In Israel im Nord und im Südreich hatte sich eine Klassengesellschaft ausgebildet. Eine dekadente Oberschicht hat die Armen massiv unterdrückt. Schuldsklaverei war an der Tagesordnung.

 

Gleichzeitig offenbart die politische Oberschicht eine fatale außenpolitische Naivität. Das Nordreich wird im syrisch– ephraimitischen Krieg aufgerieben. Das Nordreich geht 722 v. Chr. unter.

 

In den Wehesprüchen im 5.Kapitel prangert Jesaja die Sünden der Oberschicht an.

Die Begriffe  „Fake News“ und  „alternative Wahrheiten“ waren noch nicht erfunden.

Aber der Sache nach gab es das schon vor 2700 Jahren. Jesaja umschreibt das passend:

 

5.20 Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus  Finsternis  Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!

21 Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!

 

Ist es den Menschen möglich aus seinen Fehlern zu lernen?

Oder wiederholt er doch nach Generationen die alten Irrtümer.

Auf jeden Fall ist es besser mit, Ernst und wenn es sein muss auch scharfzüngig,

Unrecht was geschieht beim Namen zu nennen. 

Anzuklagen, und nicht unter den Teppich kehren, was Unheil bringt.

Protestieren, und sich nicht alles gefallen lassen- was im Namen von heiligen Sachzwängen, und wirtschaftlichen Notwendigkeiten geschieht.

Vielleicht so:

Stolz wie kleine Götter sonnen sich die Mächtigen in ihrer Macht. Die Kumpanei der Mächtigen stellt sich über die Gerechtigkeit. Offen wird verbreitet, dass nur der eigene Spaß zählt und dumm ist, wer die Gemeinschaft nicht betrügt. In der Arbeitswelt zählt nicht Gerechtigkeit, sondern der Gewinn der Schlaueren und Jüngeren. Ein Treuer verliert seine Arbeitsstelle, ein Rücksichtsloser triumphiert. Ein Irrenhaus, welches kein Mensch mehr beherrscht: die polierten Götzen, die Geldtürme wachsen in den Himmel, der laute Markt und sein blindes Gesetz reißen alle Zäune ein.

 

Aber dann plötzlich und unerwartet folgt ein Unglück. Die Unrechtsmechanismen scheinen nicht mehr zu funktionieren. Die, die sich für Weise hielten in ihren eigenen Augen, wissen keinen Rat, und suchen Hilfe bei Wissenden. (Leider nicht bei allen , die sich selbst allein für weise halten)

 

Kann die Krise auch ein Wendepunkt zum Guten sein?

 

Ich möchte ein anderes Lied als das des Protestes und der Wehklage anklingen lassen.

Jesus hat mit ähnlichen  Bildern wie der Prophet Jesaja ein Gleichnis erzählt.  

Mat.21,33-46 :

Im Weinberg Gottes hat die Lese begonnen.  

Er schickt Leute, die seinen Anteil einsammeln sollen. Aber die, deren Aufgabe das Einfordern der Früchte ist, werden mit leeren Händen und dazu mit Hohn und Spott zurückgeschickt.

Andere werden misshandelt, geschlagen, gefoltert und getötet.

Die Rechenschaft wird verweigert. Wer nach Missständen fragt, ist selber schuld.

Wer die Abrechnung sehen will, findet leere Büroschränke.

Denen, die so genau nachfragen, muss man den Mund verbieten und ihn zum Schweigen bringen. Nimmt die Zerstörung gar kein Ende? Was kann der Herr des Weinberges noch tun?

 Aber am Ende steht wieder ein Lied. Es ist so, als könnte ein Lied die Stummheit lösen. Aus den Trümmern des Weinbergs wird ein Stein geborgen. Es ist der Stein für den Neuanfang.

Der Trümmerstein erinnert an den gesegneten Anfang. Was für ein Bild!

Jesus, der Gottessohn, wird mit einem Trümmerstein verglichen. In ihm ist die Vision des fruchtbaren und gesegneten Weinbergs zu erkennen, dessen Erbauer keine Mühe gescheut hat. Der Stein steht für das Ganze.

"Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden; durch den Herrn ist dieser es geworden, und er ist wunderbar in unseren Augen." „Mat.21,42“

An dem Eckstein ergibt sich das Maß und die Qualität der anderen Steine.

Er gibt Halt und Vorbild für den Weiterbau.

 

Der Eckstein, ist ein Trümmerstein, der Weinstock hat die Form des Kreuzes.

Der Gekreuzigte zahlt die Rechnung für unsere Missetaten, 

Deshalb muss es nicht sein , dass wir nur aus Katastrophen lernen.

 

Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus . Amen.

 

Die Chance zur Umkehr ist ein Geschenk Gottes, auch wenn sie manchmal aus Unheil folgt:

 

Lehrtext:
Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.

1.Korinther 2,12

 Fundstück aus dem Internet:

Andacht zum 15. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 15.4.2020

Rolf Schuld                (Passchuld(at)aol.com)                                   

 

 


Dazu als Lied:  EG 171  Bewahre uns Gott

 

1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns auf unsern Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen,

sei Quelle und Brot in Wüstennot,

sei um uns mit deinem Segen.

 

2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns in allem Leiden.

Voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten,

voll Wärme und Licht im Angesicht,

sei nahe in schweren Zeiten.

 

 

3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns vor allem Bösen.

Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen,

sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,

sei in uns, uns zu erlösen.

 

4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,

sei mit uns durch deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen,

dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,

sei um uns auf unsern Wegen.

 

Text: Eugen Eckert (1985) 1987

Melodie: Anders Ruuth (um 1968) 1984 »La paz del señor«

 

 

Losung :

Der HERR, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt.

5.Mose 2,7

 

 

Lange 40 Jahre führte der Weg Israels durch die Wüste bis zum gelobten Land.

An nichts hast du Mangel gehabt. Bitteres Wasser wird zur erfrischenden Quelle.

Manna und Wachteln fallen vom Himmel und füllen die Mägen der Geflüchteteten.

 

2013 hatte der Kirchentag in Hamburg die Losung:

 

S

 

Ich war nicht dabei. Aber Bernd und Elisabeth hatten mir einen Schal aus Hamburg mitgebracht, der in meinem Arbeitszimmer an einem Bücherregal hängt.

 

An nichts hättet ihr Mangel gehabt, wenn jeder nur so viel genommen hätte, wie er braucht.

Aber das hat Israel nicht.

Sie lästern und verfluchen Gott.

Sie murren über den Weg, über die Strapazen, über Mose, verfluchen jeden Stein, der unter den Sandalen drückt. Sehnen sich zurück an die Fleischtöpfe Ägyptens. Sammeln Wachteln und verderben sich den Magen Sie planen Mose umzubringen, den Gott der sie aus der Wüste geführt wollen sie schnell vergessen. Das Goldene Kalb wird zum Zeichen für die Abkehr des Gottes Volks.

 

Immer wieder zieht Israel den Zorn Gottes auf sich.

 

40 Jahre später, dann doch endlich am Ziel. Und im Rückblick die Erkenntnis; 

Der Weg durch die Wüste war zwar kein Zuckerschlecken- aber dieser Weg stand unter Gottes Segen, er hat sein Volk bewahrt- befreit aus Sklaverei und doch noch ans Ziel geführt.

 

Menschen , die im Schatten sitzen wollen mit Wein und einem feinen Lammbraten , die fluchen , wenn sie sich für ihr Glück ein wenig anstrengen müssen, die gierig raffen, die taugen nicht für das gelobte Land.

Die Geschichte vom Auszug Israels durch die Wüste, ist eine Geschichte von Fluch und Segen. 

Aus dieser Geschichte von Fluch und Segen kann man auch vielleicht besonders heute einiges lernen.

 

Not, Elend, Krankheit, Schmerz, Tränen, Schweiß, Erschöpfung kurz jegliche Art von Leid, sind nicht immer ein Fluch, sondern sie können notwendige Begleitumstände auf dem Weg zum Heil sein. Auf dem Weg der unter Gottes Segen steht. Wer einen schwerstkranken Angehörigen pflegt, geht nicht den leichtesten Weg, aber einen der von Gott gesegnet ist.

Wer manche Frustration eines Ehrenamts auf sich nimmt, der hat manchmal  Grund zu fluchen, aber ich bin sicher auch dieser dieser Weg ist gesegnet.

Wer „Hoffnung hamstert“1 und sie teilt findet Wege aus der Hoffnungslosigkeit

 

Der Lehrtext:
Paulus schreibt:  In allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.

2.Korinther 6,4.10

 

In dieser Zeit eine gute Tageslosung und eine Vers aus dem 2.Korintherbrief, den Paulus im April 2020 so oder ganz ähnlich auch schreiben würde. Aber er steht ja schon in der Bibel.

 

 

 

1 „ Hoffnung hamstern“ ist eine Aktion der bayrischen Landeskirche, die sich an Konfirmand*innen richtet 

Mehr dazu https://www.youtube.com/watch?v=IfgCmaj6gZ0&feature=youtu.be

 

 

 

 

Andacht zum 14. April 2020

Gedanken und Anstöße zu

Losung und Lehrtext vom 14.4.2020

Rolf Schuld    passchuld@aol.com

 

Als Lied dazu:

 

EG/ RWL 644 Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn

Strophen


1. Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.

Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern,

du darfst ihm, so wie du bist, nahn.

 

Kehrvers:

Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,

viel mehr als ein Vater es kann.

Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer,

kommt, betet den Ewigen an.

 

2. Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht, wenn alles verloren erscheint.

Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht,ist näher als je du gemeint.

 

3. Im Danken kommt Neues ins Leben hinein, ein Wünschen, das nie du gekannt,

dass jeder wie du Gottes Kind möchte sein,

vom Vater zum Erben ernannt.

 

4. In Jesus gehörst du zur ewigen Welt,

zum Glaubensgehorsam befreit.

Er hat dich in seine Gemeinde gestellt

und macht dich zum Dienen bereit.

 

Text: Heino Tangermann (1965) 1967

Melodie: Paul Ongmann zu einem norwegischen Lied

 

 

Losung

Meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Jesaja 51,5

Lehrtext

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1. Petrus 1,3

 

Knapp daneben ist auch vorbei. Oft bin ja überrascht, dass die gelosten Verse aus dem 1.Testament so zeitlos passend sind. Heute frage ich mich, ob der in Jesaja 51 folgende Vers 6 auch zu den 1824 Losen gehörte.

 

6 Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn  der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.

 

In Vers 5 die grandiose Verheißung der nahenden Gerechtigkeit und des hervortretenden Heils. Doch das Gericht über die Völker führt in die Zerstörung von Himmel und Erde.

 

 

 

 

 

Also nochmal flugs in den Himmel geschaut , bevor die Erde vergeht. An Karfreitag ging es zu Fuß aus Linden zum Zisterzienserkloster in Stiepel. Dort eröffnete sich dieser Anblick. Das Kreuz mit der Dornenkrone vor einem unglaublich blauen wolkenlosen Himmel. 

 

 

Am Karsamstag dann ein Blick vor dem Haus durch die blühende Zierkirsche in den blauen Himmel. (Königsblau für mich als Schalke Fan.)

 

 

Und dann noch Ostermontag  am Nachmittag im kleinen, beinahe menschenleeren Park in Eppendorf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielleicht vergeht der Himmel über Tschernobyl im radioaktiv verseuchten Rauch. Und in den USA und in Italien und Spanien sterben Menschen dahin wie Mücken. Und noch Schlimmeres ist für Indien, für Afrika und für Südamerika zu befürchten. Gerechtigkeit und Heil scheinen so fern wie zu allen Zeiten.

Ach ja! Uns geht es ja verhältnismäßig gut, zumindest was die Fallzahlen angeht..

Und deshalb kann man über vorsichtige Rückkehr zur Normalität nachdenken.

Vielleicht nutzen wir bis dahin noch die Chance darüber nachzudenken, was denn normal ist.

 

Ist es normal, dass es uns auch im europäischen Vergleich so gut geht und es trotzdem so Vielen in diesem Land richtig schlecht geht. Ist es normal zu denken, dass wir unseren, wenn auch ungleich verteilten Wohlstand, nur erhalten können, wenn wir uns kein Mitleid mit Geflüchteten leisten.

Ist es normal dem Wirtschaftswachstum und en Profiten die Umwelt zu opfern, und die  Todesopfer der Umweltsünden, als normal ansehen.

Der Himmel vergeht (noch) nicht im Rauch, die Erde verfällt (noch) nicht wie ein Kleid. Aber Menschen sterben wie die Mücken an den Folgen von Armut, Ungerechtigkeit, und Kriegen.

 

Die Güte des Herrn ist‘s dass wir noch nicht gar aus sind. (Klagelieder 3,22

 Und deshalb als Lobpreis nach Ostern:

  

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1. Petrus 1,3

Gesegnete Ostern! Eine Videobotschaft von Pfarrerin Angelika Hövermann steht zum Downloadd bereit

https://we.tl/t-3xe7lxrZDj

Karfreitag 2020

Gedanken und Anstöße zum

Predigttext für Karfreitag

Rolf Schuld    passchuld@aol.com

 

 


 

EG 85 O Haupt voll Blut und Wunden

 

1. O Haupt voll Blut und Wunden,

voll Schmerz und voller Hohn,

o Haupt, zum Spott gebunden

mit einer Dornenkron,

o Haupt, sonst schön gezieret

mit höchster Ehr und Zier,

jetzt aber hoch schimpfieret:

gegrüßet seist du mir!

 

2. Du edles Angesichte,

davor sonst schrickt und scheut

das große Weltgewichte:

wie bist du so bespeit,

wie bist du so erbleichet!

Wer hat dein Augenlicht,

dem sonst kein Licht nicht gleichet,

so schändlich zugericht’?

 

 

 

3. Die Farbe deiner Wangen,

der roten Lippen Pracht

ist hin und ganz vergangen;

des blassen Todes Macht

hat alles hingenommen,

hat alles hingerafft,

und daher bist du kommen

von deines Leibes Kraft.

 

4. Nun, was du, Herr, erduldet,

ist alles meine Last;

ich hab es selbst verschuldet,

was du getragen hast.

Schau her, hier steh ich Armer,

der Zorn verdienet hat.

Gib mir, o mein Erbarmer,

den Anblick deiner Gnad.

 

 

 

Das Lied  „Oh Haupt voll Blut und Wunden zeigt“  mit einer drastischen Sprache die Grausamkeit der Folter, die Jesus ertragen musste.

Aber entscheidend ist nicht der Realismus mit dem das Kreuzesgeschehen in Bild oder in Worten vor Augen geführt wird. Entscheidend ist die Bedeutung des Kreuzes.

Der Predigttext für, diesen Karfreitag reißt die Wunden Jesus nicht dokumentarisch neu auf, sondern er wirbt dafür, dass wir uns vom Geschehen des Kreuzes verändern lassen.

 

Predigttext:  2.Kor.5, 14-21  

 

14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben, dass einer für alle gestorben ist und so alle gestorben sind. 15 Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben ist und auferweckt wurde. 16 Darum kennen wir von nun an niemanden mehr nach dem Fleisch; und auch wenn wir Christus gekannt haben nach dem Fleisch, so kennen wir ihn doch jetzt so nicht mehr. 17 Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 18 Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20 So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Ein Text, der nicht einfach zu verstehen ist- ein Text der seine Sinn nicht nur im Zusammenhang von Karfreitag entfaltet, sondern auch im Glaubensverständnis der Korinther.

Das war eine Gemeinde die geprägt war von Ostern und Pfingsten. Daran konnten sie sich begeistern Es waren Christen, die sich in einen frommen Rausch hineinsteigerten, der ihnen die Sinnen vernebelte. Sie waren so geblendet vom Licht der Erlösung, dass sie das Kreuz nicht mehr wahrnehmen konnten. Mehr noch, sie brauchten das Kreuz nicht: Sie fühlten Erlösung durch den Geist, der sie von der Welt entrückte- und nicht dadurch, dass im Kreuzestod Christi alle Schuld getilgt ist.

Für die Korinther gehört das Kreuz in die Welt, mit dieser Welt wollen sie nichts mehr zu tun haben, diese Welt hassen sie nur noch.

Dieser Gemeinde schreibt Paulus nun: In der Liebe Christi, die sich am Kreuz zeigt, geht es um die Hinwendung zur Welt. Und er appelliert an das Gewissen der Korinther, dass sie ihre Verantwortung für die Welt nicht vergessen.

Die Liebe Christi zur Welt drängt dazu, die Realität nüchtern zu betrachten.

Ernüchtern will Paulus wenn er schreibt:

Christus ist gestorben, und ihr alle seid auch gestorben.

 

Der Tod der Lohn der Sünde- dieser Lohn wird gezahlt- und auch am Kreuz ist dieser Lohn gezahlt worden. Erstaunlich dieser Gedanke des Apostels, dass Christus nicht alleine für uns gestorben ist, sondern er stirbt mit uns, wir sterben mit ihm am Kreuz, damals und auch heute.

Wir Menschen, die doch Kinder Gottes sein sollen, wenden uns immer wieder ab von Gott,

wollen nicht aus seiner Güte leben, deshalb sind wir für Gott gestorben.

Ich erinnere mich an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Ich erinnere mich an die Worte die der Vater spricht: als der verlorene Sohn zurückkommt. Dieser mein Sohn war tot.

Und doch konnte der Vater nicht ablassen von seiner Liebe zum Sohn.

Er trauerte ihm nach.

Obwohl der Sohn die Liebe des Vaters verschmähte- und das Geld vorzog.

Obwohl er das Erbe verpraßte, wie der Mensch den Reichtum der Schöpfung verschwendet.

Obwohl er unrein wird wie ein Schwein- denn wo der Mensch sich von Gott dem Vater entfernt, da stirbt das menschliche. Da wird er zum Tier. Und in der Geschichte ist der Mensch nur allzu oft zu einem Ungeheuer geworden.

Der Sohn kommt reumütig zurück zum Vater.

Er sagt, dieser mein Sohn war tot, und ist wieder lebendig geworden.

Jesus kam in die Welt um Gottes verlorene Kinder zu sammeln, um sie zurückzubringen.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, dass er erzählt ist eine Einladung zur Umkehr. 

Gott kommt in Christus zu uns, er reicht uns die Hand.

Doch der Mensch ergreift die zur Versöhnung ausgestreckten Hände nur um sie zu fesseln, um sie schließlich ans Kreuz zu nageln.

 

Der Mensch ermordet den Sohn Gottes, und will damit Gott den Vater selbst ermorden.

Er will nichts mehr hören von ihm. Er will das Erbe für sich alleine, will sein eigenes Leben führen auf Teufel komm raus.

Der Mensch will Gott selbst opfern auf dem Altar von Machtansprüchen und Ideologien, von Egoismus, Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit.

Der Mensch der nicht mehr Kind Gottes sein will, geht über Leichen, ja er geht selbst über die Leiche Gottes.

Johannes beginnt sein Evangelium.

Ein Licht scheint in der Finsternis. Die Finsternis hat‘s nicht ergriffen, -

Nicht nur, dass sie das Licht auslöscht.

Der Vorhang vor dem Allerheiligsten zerriß und die Sonne verdunkelte sich.

Die Kerzen auf dem Altar brennen heute nicht, weil es keinen Gottesdienst gibt, aber sie werden auch sonst an Karfreitag nicht entzündet.

Doch die Sonne strahlt von einem wolkenlosen blauen Himmel.

So als würde in diesem Jahr Karfreitag ausfallen, als würde Kreuz und Leid überstrahlt!

 

Nein, Kreuz und Leid sind nicht aus der Welt!

Doch als Gottes verlorenen Töchter und Söhne dürfen wir aus der Versöhnung leben.

 

 

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. 18 Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. 19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung“.

Gott ist seinen Kindern gefolgt in den Abgrund der Gottlosigkeit. Er hat die Sünde nicht angerechnet, er hat sich an unsere Sünde geheftet, um mit uns zu büßen und um mit uns zu leiden, als Opfer von Sünde. Er ist unendliche Tode gestorben, die Menschen sterben müssen. Doch er ist nicht von unserer Seite gewichen.

Sondern er hält uns die Hand zur Versöhnung hin.

Ostern ist Jesus nicht nur nach dem Fleisch auferstanden. Gottes Liebe ist auferstanden.

Sie hat das Wort der Versöhnung wieder aufgerichtet. Sichtbar am Kreuz.

 

Wir sind eingeladen: Zum Kreuz zu treten, uns dem Leidenden Christus und dem Leid in der Welt zuzuwenden. Und wenn wir das tun, wenn wir Christus so nahe kommen, dann können wir seine Hand ergreifen und uns von ihm führen lassen, in das Reich der Liebe Gottes.

Ein Reich das nicht von dieser Welt ist, aber in dieser Welt.

 

 

 

 

 

 

 

 

     

 

 

 

 

 

 

 

Christus hängt sich hinein in unsere Schuld- Mischt sich ein in unsere gestörte Beziehung zu Gott.

 

Und übt danach nicht Blutrache- sondern reicht uns die Hand zur Versöhnung.

 

 

 

 

Der Friede Gottes , der höher ist als alle Vernunft , bewahre eure Herzen und Sinne in Christus , Jesus!

Andacht zum Gründonnerstag 9. April 2020

Gedanken und Anstöße zum

Predigttext für den Gründonnerstag

Rolf Schuld    passchuld@aol.com

 

Der Predigttext für den Gründonnerstag 2020 steht im 2. Buch Mose

 

 Einsetzung des Passafestes

12. 1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: 2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. 5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr's nehmen 6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen, 8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. 9 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. 10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen. 11 So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa. 12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der HERR. 13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. 14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.     Lutherbibel 2017

Diese Geschichte aus dem zweiten Buch Mose ist Grundlage des jüdischen Passahfests. Die Evangelisten ordnen das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern dem Passahfest zu. 

 

14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und ihn feiern als ein Fest für den Herrn ,

ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung. .

Die Worte Jesu klingen hier an: Solches tut zu meinem Gedächtnis.

Gründonnerstag- eine Gedenkfeier- ein Gedenktag- aber - vom jüdischen Passahfest her- mehr als Erinnerung mehr-  als dass wir Jesus und den Zwölfen ein Denkma(h)l setzen.

Aus dem Buch : "Was jeder über das Judentum wissen sollte"7.Auflage Gütersloh 1983 zitiere ich einen Abschnitt Seite 84 f.  :

„Das Passahfest will nicht bloß Erinnerung an den Auszug aus Ägypten sein. »Jeder ist in jedem Alter und Geschlecht verpflichtet, sich so zu betrachten, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen.« Alles ist auf Vergegenwärtigung des damals Geschehenen angelegt: »Uns hat der HERR aus Ägypten gerettet!«

Die Hausfrau sorgt für den festlichen Rahmen und für das leibliche Wohl. Der Hausherr leitet die Feier. Er eröffnet sie mit Gebet, der erste Becher wird getrunken, eine Mazza gebrochen und die Hälfte verteilt. Dann wird die Sederschüssel hochgehoben: »Dies ist das Brot des Elends, das unsere Väter in Ägypten aßen. Wer hungrig ist, komme und esse!

Wer in Not ist, komme und begehe Passah mit uns!

Dies Jahr hier ‑ im kommenden Jahr im Lande Israel! Die Jahr als Knechte ‑ im kommenden Jahr als Freie!« Auf die vorgeschriebene Frage des jüngsten am Tisch trägt dann der Hausvater die Geschichte vom Auszug aus Ägypten vor, mit Hilfe der »Haggada«, die Erzählbuch und Gottesdienstordnung zugleich ist. Die Speisen auf der Sederschüssel erfahren eine Ausdeutung, es werden Psalmen gesungen, schließlich die Speisen von der Sederschüssel gegessen und der zweite Becher Wein getrunken.

Es folgt die eigentliche Abendmahlzeit zur Sättigung, eingeleitet mit Brotbrechen und Tischgebet. Auf den dritten Becher folgt das »große Hallel«, die Psalmen 113‑118 und 136, und andere Lieder, die den Wunsch nach baldiger Erlösung durch den Messias ausdrücken. Dieser Wunsch gipfelt in dem Ruf: »Nächstes Jahr in (in Israel heute oft: im wiederaufgebauten) Jerusalem!«

Der vierte Becher wird getrunken; das Fest klingt aus mit volkstümlichen Liedern, die von Gottes großen Taten und der Not und Hoffnung Israels sprechen. Ein fünfter Becher, für den Propheten Elia bereitgestellt, bleibt gefüllt.

Das Passahfest ist wohl das innigste Fest des Judentums. Es hat seinen festen Platz in den jüdischen Familien, auch wo sie in der Zerstreuung leben.“

Kann man da nicht neidisch werden? Auf die Fülle und den Reichtum dieser Feier.

Sinnlich - innig-  

»Jeder ist in jedem Alter und Geschlecht verpflichtet, sich so zu betrachten, als sei er selbst aus Ägypten ausgezogen.« Alles ist auf Vergegenwärtigung des damals Geschehenen angelegt: »Uns hat der HERR aus Ägypten gerettet!«

 

 

Es geht nicht nur um Betachten, Bedenken, um Verstehen, um Erinnern, sondern um die Vermittlung von Erfahrung.

Das was im Laufe des Kirchenjahres Weihnachten zu bieten hat, nämlich ein Fest für alle Sinne, lässt die Feier des Abendmahls bei uns nur schwer zu.

Als hätten wir etwas Angst und Scheu vor dem, was mit uns geschehen könnte wenn wir uns für die Erfahrung öffnen würden.

Was könnte uns geschehen in dieser Nacht, da unser Herr Jesus verraten wurde.

Wenn wir uns vorstellen, wir wären dabei.   

Könnte ich zum Judas werden, der ihn verrät, weil er mir nicht das bieten will, was ich von ihm erwarte. Würde ich wie alle anderen auch, mir selbst diese Tat zutrauen?

Könnte ich mich blind vor Zorn, an Jesus ärgern, weil er von Vergebung für viele statt von Gottes Zorn über die Ungläubigen spricht?

Würden wir uns in dieser Nacht von Jesus die Füße waschen lassen - würden wir uns - wie das Kelchwort es sagt, im Blut Jesu reinwaschen wollen von unseren Sünden?

Würde ich mich verwirrt und enttäuscht dem Wein zuwenden, und am Nächsten lauen Frühlingstag in Gethsemane meinen Rausch ausschlafen, obwohl Jesu bittet:

Bleibet hier und wachet.

 

Wie schlimm und belastend ist diese Erfahrung: Es ist Zeit des Abschieds. Und ich drücke mich- mache alles falsch- gebe einen Sack voller Verletzungen mit auf den Weg und muss dann erkennen: Ich kann nichts wieder gutmachen.

Passah, ein Fest der Befreiung sollte es sein. Aufbruch aus der Sklaverei.  

Der Zorn Gottes trifft die Bösen –alle Erstgeburt in Ägypten. Sind alle schuldig? Die Kinder, die erstgeborenen  allen Viehs? Haben sie die Strafe verdient – stellvertretend für die Verstocktheit des Pharaos? Und nur die Guten, die Erwählten, das Volk Israel- werden ins gelobte Land geführt. Nein! Die Hebräer, die aus Ägypten entkommen sind, waren nicht die Guten- sie werden wenig später ums Goldene Kalb tanzen.

Und die Zwölf, die Jesus sich erwählt hat, sind nicht die Guten

Ich bin nicht gut- der Mensch ist nicht gut- das fordert Opfer.

Das Lamm- das Blut auf den Türpfosten- damit der Zorn Gottes vorüber geht.

Christi du  Lamm Gottes, der du trägst die Schuld der Welt:

Jesus, der Erstgeborene seiner Mutter Maria, stirbt.

Vorher stiftet er : ein „denk mal“ darüber nach wie du zu ihm stehst.

 

 

Liedempfehlung

 

EG 228 Er ist das Brot, er ist der Wein

 

1. Er ist das Brot, er ist der Wein,

            steht auf und esst, der Weg ist weit.

            Es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein,

            es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein.

            1.Kön 19,7

 

2. Er ist das Brot, er ist der Wein,

            kommt, schmeckt und seht, die Not ist groß.

            Es stärke euch der Herr, er wird euch Schuld verzeihn,

            es stärke euch der Herr, er wird euch Schuld verzeihn.

 

3. Er ist das Brot, er ist der Wein,

            steht auf und geht, die Hoffnung wächst.

            Es segne euch der Herr, er lässt euch nicht allein,

            es segne euch der Herr, er lässt euch nicht allein.

 

Text: Eckart Bücken 1980

Melodie: Joachim Schwarz 1980

 

 

 

 

 

Gründonnerstag - Lieder und Taize-Gebet

Lied228.3gpp

Lied_2020-04-09.mp4

Audioandacht_09_04_2020.m4a